Luftaufnahme des Dachziegelwerkes in Schermbeck
Das Werk in Schermbeck. Quelle: Nelskamp

Industrie

26. April 2021 | Teilen auf:

Nelskamp beantragt Schutzschirmverfahren

Die Dachziegelwerke Nelskamp haben am 23. April beim zuständigen Amtsgericht in Duisburg einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt. Das Gericht hat diesem Antrag entsprochen, wie es in einer Mitteilung heißt. Durch die vorliegende Anordnung kann das Unternehmen sich jetzt in Eigenregie restrukturieren. Die Leitung der Gesellschaft bleibe weiterhin in den Händen der Geschäftsführung.

„Die notwendig gewordene umfangreiche Modernisierung unserer Produktionsanlagen ist leider nicht wie geplant verlaufen. Rückblickend dauerte der Prozess viel zu lange; zudem haben die vielen unausweichlichen Produktionsstillstände dazu geführt, dass sich unsere Liquidität massiv verringert hat“, wird Geschäftsführer Heinrich Nelskamp in der Mitteilung zitiert. „Wir haben uns daher entschieden, die Dachziegelwerke im Rahmen des Schutzschirmverfahrens für die Zukunft neu aufzustellen“, so Nelskamp weiter. Auf diese Weise soll der langfristige Fortbestand des Unternehmens im Interesse von Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten sowie weiteren Gläubigern sichergestellt werden. Dazu wurden bereits erste Sanierungsideen erarbeitet, die in den nächsten Wochen und Monaten im Detail weiter ausgearbeitet werden. Bereits jetzt sei allerdings klar, dass die Schließung des Schermbecker Werkes sowie ein Personalabbau von rund 80 Arbeitsplätzen notwendig sei, um die langfristige Fortführung des Unternehmens sicherzustellen. „Über die Einzelheiten werden wir in den kommenden Wochen mit den Arbeitnehmervertretern sprechen“, wird Dr. Dirk Andres von der überregional tätigen Kanzlei Andres-Partner zitiert, der Nelskamp ab sofort als Restrukturierungsbevollmächtigter zur Seite steht, wie es weiter in der Mitteilung heißt.

Bei dem Schutzschirmverfahren wird das Unternehmen auch durch den gerichtlich bestellten vorläufigen Sachwalter, dem sanierungserfahrenen Rechtsanwalt Dr. Frank Kebekus begleitet. Seine Aufgabe ist es, die Dachziegelwerke im gesamten Schutzschirmverfahren zu überwachen und die Interessen aller Gläubiger zu wahren. Der Geschäftsbetrieb der Dachziegelwerke wird derweil aufrechterhalten und fortgeführt. „Allen unseren Kunden stehen wir selbstverständlich weiterhin in vollem Umfang zur Verfügung“, sagt Geschäftsführer Ulrich Nelskamp. „Produktion, Termin- und Liefertreue sind auch während unseres Schutzschirmverfahrens gewährleistet – so wie man es von uns gewohnt ist.“ Die insgesamt rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dachziegelwerke Nelskamp wurden am vergangenen Freitag an allen sechs Standorten unter Berücksichtigung der erforderlichen coronabedingten Hygienevorschriften über die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen informiert. Für die nächsten drei Monate übernimmt die Bundesagentur für Arbeit ihre Löhne und Gehälter.