Das Baugewerbe in Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich an Produktivität verloren, will das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) herausgefunden haben. So zeigt eine Studie der Wirtschaftsforscher im Auftrag der Bertelsmann Stiftung große Produktivitätsunterschiede zwischen Bauunternehmen, selbst zwischen Unternehmen derselben Sparte und Größe. Nach einer Simulationsrechnung mit Unternehmensdaten für 2022 läge die Bauleistung um rund zwölf Prozent höher, wenn die weniger produktiven Betriebe zu vergleichbaren Unternehmen aufschließen würden. Das entspräche der Leistung von knapp 350 000 zusätzlichen Beschäftigten.
„Die Bauwirtschaft muss ihre Kapazitäten ausweiten, damit die milliardenschweren öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur nicht die Preise treiben. Da Arbeitskräfte knapp sind, kann dies nur durch eine Trendwende bei der Arbeitsproduktivität gelingen“, sagt Studienautor Martin Gornig.
Berechnungen der Wirtschafsforscher zufolge lag die Arbeitsproduktivität im Baugewerbe 2025 nahezu 30 Prozent unter dem Niveau von 2010, während sie in der Gesamtwirtschaft oder im Verarbeitenden Gewerbe stieg. Der Negativtrend zeige sich über alle Bausparten und Unternehmensgrößen hinweg. Beschleunigt habe er sich seit der Corona-Pandemie und durch den Zins- und Kostenschock vor allem seit dem Ukraine-Krieg, heißt es vom DIW.
Mehr Robotik gefordert
Annymisierte Unternehmensdaten würden erhebliche Produktivitätsunterschiede innerhalb der Branche offenbaren. Insbesondere bei kleinen Unternehmen, die in einigen Bausparten rund 70 Prozent der Unternehmen ausmachen, variiere die Arbeitsproduktivität sehr stark. Würden Betriebe mit unterdurchschnittlicher Produktivität zumindest das jeweilige Medianniveau ihrer Sparte und Größenklasse erreichen, könnte die reale Bauleistung insgesamt um rund zwölf Prozent steigen, fassen die Studieautoren ihre Berechnungen zusammen.
„Um die Produktivität signifikant zu steigern, müssten bereits verfügbare, moderne Produktionsmethoden deutlich schneller und flächendeckender eingesetzt werden“, so Gornig. Auch die öffentliche Hand könne dazu beitragen: Über die Senkung bürokratischer Nebenbelastungen, innovationsfreundliche Ausschreibungen und gezielte Pilotprojekte ließen sich wichtige Impulse setzen. „Wenn wir dahin kommen, dass wir auf dem Bau nicht nur mit Maschinen, sondern auch mit Robotern arbeiten, können wir die Arbeitsproduktivität hier enorm steigern“, sagt Studienautor Alexander Schiersch.
