Zwei Personen stehen nebeneinander in einem Raum mit Holzverkleidung.
Eurobaustoff Fachgruppe Trockenbau: Fachgruppensprecherin Katharina Metzger und Fachgruppensprecher Arnfried Bopp. (Quelle: Eurobaustoff)

Branche im Blick 2025-02-06T13:02:10.596Z „Wir sind und bleiben eine Leistungsgemeinschaft“

Im Rahmen der Eurobaustoff Fachgruppentagung Trockenbau in Berlin sprachen Fachgruppensprecherin Katharina Metzger und Fachgruppensprecher Arnfried Bopp über das aktuelle Marktgesehen und die Chancen und Herausforderungen für die Branche im Jahr 2025.

Wie schätzen Sie die aktuelle Marktsituation für den Trockenbau zum Jahresbeginn 2025 ein?

Katharina Metzger: Kurzum: Die Objekte sind noch da, aber der Markt ist hart umkämpft, weil der Branche der hochbaunahe Trockenbau aus dem Neubau und der Sanierung und dem Ein- und Zweifamilienhausbau fehlt. Das heißt, der Kuchen wird kleiner und führt zu einer verschärften Wettbewerbssituation. Und was in diesem Jahr im Rohbau nicht erstellt wird, wird nächstes Jahr auch nicht ausgebaut. Zumal viele Objekteure vor allem im Wirtschaftshochbau ab Sommer einen weiteren Rückgang befürchten. In Summe erwarten wir für dieses Jahr im Wirtschaftshochbau eine Seitwärtsbewegung und im Wohnungsbau noch keine Belebung. Der öffentliche Bau bleibt mit einem Marktanteil von zehn Prozent, egal wie gut er sich in 2025 entwickeln sollte, zu klein, um das Ruder herumzureißen und eine Trendwende einzuleiten. Wir fragen uns also: Woher soll das Volumen kommen, damit 2025 ein gutes Jahr wird?
Arnfried Bopp: Außerdem wird der Beginn von Objekten zeitlich hinausgezögert. Hinzu kommt, dass wir als Baufachhandel neben dem Absatz besonders die Marge im Auge behalten müssen. Hier geht der Trend schon seit geraumer Zeit in die falsche Richtung. Auch vor dem Hintergrund der deutlich steigenden Fixkosten in unseren Betrieben. Das ist für uns ein wichtiger Faktor, den wir nicht außer Acht lassen dürfen.
Metzger: Insgesamt stellen wir fest, dass ich sich die Mitglieder der Fachgruppe Trockenbau in 2024 trotz des umkämpften Marktes in mengenmäßig gut entwickelt haben. Dabei waren sie von dem Einbruch im hochbaunahen Trockenbau nicht so stark betroffen, da das Objektgeschäft im Wirtschaftshochbau ihren Schwerpunkt bildet. Allerdings hat sich Ertragsentwicklung, wie schon skizziert, aufgrund der bereits erwähnten verschärften Wettbewerbssituation überproportional zum Volumen negativ entwickelt.
Bopp: Die vielfältigen Dienstleistungen rund um den Trockenbau zum Beispiel Logistikleistungen und kompetente Beratung sind für unsere Kunden elementar kosten aber auch Geld und deshalb können und werden wir nicht jeden Wahnsinn, der im Markt passiert, mitgehen. Auch die Produkte selbst – unter starkem preislichem Druck. Eine Kehrtwende ist hier dringend erforderlich.
Metzger: Wir als mittelständische Unternehmen haben gelernt, gut zu wirtschaften - in guten, wie in schlechten Zeiten. Wir tragen Verantwortung für unsere Mitarbeitenden, ein Verantwortungsbewusstsein, das uns deutlich widerstandsfähiger macht als manchen Marktbegleiter. Mit anderen Worten: Wir mögen Krisen nicht, aber wir haben immer wieder bewiesen, dass wir als Mittelständler Krise können.

Wo sehen Sie Chancen für 2025 was sind die Herausforderungen – auch mit Blick auf die Fachgruppe Trockenbau? 

Metzger: Unser großes Thema, nicht nur im Gewerk Trockenbau, sondern in der gesamten Baubranche, ist das fehlende Vertrauen in die Politik und damit verbunden in eine verlässliche Förderpolitik. Investoren brauchen Planungssicherheit und damit ist auch der private Bauherr gemeint, der sein Geld sicher investieren will. Das Geld ist da, nur das Vertrauen fehlt. Das lässt sich allein daran ablesen, dass kaum noch Häuser saniert werden, was die Situation im Trockenbau deutlich verschärft.
Bopp: Auch vor dem Hintergrund einer zunehmend unsicheren weltpolitischen Lage. Alles Faktoren, die nicht gerade zur Vertrauensbildung beitragen und die Baukrise in vielerlei Hinsicht weiter anheizen. Eine weitere Herausforderung ist der zunehmende Fachkräftemangel, von dem auch die Fachunternehmen im Trockenbau betroffen sind. Fakt ist: Der Trockenbau braucht Fachkräfte. Doch was passiert derzeit: Durch die Krise wandern besonders Fachkräfte ab und gehen dorthin, wo der Markt noch läuft oder die Heimat nahe ist.
Metzger: Hier kommt zum Tragen, das sich andere europäische Länder besser auf die Baukrise vorbereitet und beispielsweise auf den Zinsanstieg mit verschiedenen Maßnahmen reagiert haben, um diesen abzufedern. Das hat hier gefehlt und deshalb ist die deutsche Bauwirtschaft im europäischen Vergleich besonders stark eingebrochen. Auf den Punkt gebracht: 2025 werden wir bestenfalls einen Stimmungswandel erreichen. Aber und das ist unser emotionaler Anker: Der Bedarf ist da!

Im vergangenen Jahr hieß die Losung für die Fachgruppe, zusammen mit den Partnern aus der Industrie neue Themen zielgerichtet am Markt zu platzieren. Gilt das auch für das neue Jahr und welche Themen stehen 2025 im Fokus?

Bopp: Ein großes Thema im Trockenbau ist die Umnutzung von Immobilien. Was uns hier besonders im Wege steht, sind die viel zu langwierigen bürokratischen Prozesse, die eine Marktbelebung auf diesem Feld im Keim ersticken. Wir brauchen also nicht nur auf diesem Feld, dringend eine Entbürokratisierung und damit schlankere Prozesse, um den Markt zu beleben und neue Themen anzugehen.
Metzger: Das korrespondiert im Übrigen mit den hohen baulichen Standards - allein mit Blick auf die komplexen Schall- und Brandschutzverordnungen in Deutschland. Das heißt, wir müssen einfacher bauen sowie schlanker und damit schneller in den Prozessen werden, um wieder etwas zu bewegen.

Das heißt, das politische Thema einfacher zu Bauen steht auch im Trockenbau weit oben auf der Agenda?

Metzger: Auf jeden Fall. Zumal es unserem Ansatz im Gewerk Trockenbau entgegenkommt, einfacher, kostengünstiger und nachhaltig zu bauen. Das heißt im Umkehrschluss: Wir müssen wieder ein vernünftiges Maß bei den Standards finden. Dafür muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen.
Bopp: Der Trockenbau nimmt auch mit Blick auf Recycling, Upcycling und Zirkularität eine Vorreiterrolle ein, da sich die meisten Produkte gut in die Kreislaufwirtschaft eingliedern lassen. In Bezug auf Umnutzung, Variabilität und Sicherheit, ist der Trockenbau ein Gewerk mit sehr viel Zukunftspotenzial.

Als langjährige Fachgruppensprecherin und Fachgruppensprecher der Fachgruppe Trockenbau stehen Sie beide für Verlässlichkeit und Kontinuität. Was ist Ihnen im Rahmen Ihrer Arbeit für die Fachgruppe besonders wichtig?

Metzger: Unsere Kernaussage ist und bleibt: Wir bleiben mit der Fachgruppe Trockenbau eine Leistungsgemeinschaft und rücken deshalb auch in schweren Zeiten nicht von unseren Leistungskriterien ab. Das ist auch unsere zentrale Botschaft in Richtung Markt: Wir stehen für Leistung und Weiterentwicklung.
Bopp: Vor diesem Hintergrund tun wir alles, um von unserer Seite eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen Industrie, Fachhandel und Fachhandwerk zu gewährleisten, denn nur so sind wir in der Lage erfolgreich am Markt zu agieren. Dafür stellen wir uns beziehungsweise unsere Arbeit immer wieder auf den Prüfstand.

Abschließend noch ein kurzer Blick auf die Aktivitäten rund um die Initiative „WIR für Ausbau und Trockenbau“. Was steht hier ganz oben auf der Agenda für 2025?

Metzger: Wir machen aktuell gute Fortschritte bei weiteren hochinteressanten Konstruktionsprüfungen und flankieren auf diesem Weg weiter unser Ziel im Trockenbau nach den anerkannten Regeln der Technik, normativ, wirtschaftlich bauen zu können und so eine Angleichung offener und geschlossener Systeme zu erreichen. In diesem Zusammenhang unterstützen und fördern wir unter anderem die Weiterqualifizierung der Fachunternehmer mit unserem herausragenden Seminarkonzept. Das wird sehr gelobt von den Fachunternehmen im Trockenbau, weil wir technisch anspruchsvoll, herstellerneutral und mit qualifizierten Seminarunterlagen arbeiten. Hier haben Tomas Schmid und Jürgen Engels federführend einen hervorragenden Job gemacht.
Bopp: Der Trockenbau kann einen großen Beitrag zum flexiblen und einfachen Bauen leisten und mit der WIR-Initiative verstehen wir uns als Vorreiter, um mit unserer Arbeit für Freiheit in der Auswahl der Konstruktionen und für die Sicherheit der Fachunternehmer zu sorgen. Das steht unverrückbar ganz oben auf unserer Agenda.

zuletzt editiert am 06. Februar 2025
Newsletter