Vertragsunterschrift
Gerade bei jungen Menschen schwindet laut der DIHK das Interesse, mit einer Unternehmensfortführung stärker selbst ins Risiko zu gehen. (Quelle: Pixabay)

Branche im Blick

18. August 2022 | Teilen auf:

Unternehmensnachfolge wird immer schwieriger

Obwohl viele Betriebe zur Nachfolge anstehen, möchten immer weniger Personen selbst Unternehmer sein oder Unternehmer werden. Dies geht aus dem aktuellen DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge hervor.

Dem Report zufolge informierten sich bei ihrer Industrie- und Handelskammer (IHK) im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 nur noch halb so viele Personen, die ein Unternehmen übernehmen möchten (2.159 im Jahr 2021 zu 4.302 in 2019). Das Nachfolgeinteresse habe insbesondere in den von Lockdowns betroffenen Branchen Handel und Gastronomie sowie bei kleinen Dienstleistungsunternehmen gelitten, so die Erkenntnisse der Erhebung.

"Neben dem Fachkräftemangel steuert unsere Wirtschaft auch auf eine Unternehmerknappheit zu", sagt DIHK-Präsident Peter Adrian. "Vor allem in Handel, Gastronomie und bei den Dienstleistungen – also den von der Pandemie am stärksten betroffenen Branchen – droht vielen Unternehmen beim Generationswechsel mangels Nachfolger das Aus."

Für die IHK-Berater sind vor allem die gestiegenen Unsicherheiten im geschäftlichen Umfeld als Hauptursache für den Rückgang des Interesse zu nennen. Viele Unternehmer hatten angesichts der Herausforderungen während der Pandemie um die Existenz ihres Betriebes gekämpft und ihre Nachfolgesuche auf Eis gelegt. Zudem erhalten gut qualifizierte Nachfolgewillige angesichts zunehmenden Fachkräftemangels lukrative Angebote für abhängige Beschäftigungsverhältnisse und entscheiden sich daher eher oft gegen den "Beruf Unternehmer/in".

Dahinter stehe, so der Report, zudem mangelndes Interesse gerade bei jungen Menschen, mit einer Unternehmensfortführung stärker selbst ins Risiko zu gehen. Aber auch das wegen zunehmender Bürokratie und stark steigender Gas- und Strompreise für Unternehmen schwierige sonstige Umfeld hemmt die Bereitschaft zum unternehmerischen Engagement, dies macht der Report deutlich.

Weitere Regulierungen wie etwa das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, die EU-Taxonomie, OECD-Projekte und EU-Richtlinien zum internationalen Steuersystem schrecken potenzielle Nachfolger ab. Hier müsse die Politik dringend gegensteuern, so Adrian. Der Mittelstand dürfe jetzt nicht noch mit weiteren Richtlinien, Gesetzen und Vorschriften belastet werden.

zuletzt editiert am 18.08.2022