429.252 zusätzliche Wohnungen mit etwa 75 Quadratmetern Wohnfläche könnten zukünftig unter und auf deutschen Dächern entstehen. Zu diesem Ergebnis kommt laut einer Pressemitteilung eine Studie des Berliner Technologieunternehmens Leaftech zur Nachverdichtung im Bestand, insbesondere durch Aufstockung und Ausbau. Die Studie wurde heute beim Summit von „Neues Bauen – 80 Sekunden“ in Berlin vorgestellt. Im Rahmen dieses Netzwerks wurde im März eine Taskforce gegründet, die das Ziel verfolgt, das ungenutzte Potenzial von Dachgeschossen systematisch zu analysieren und durch Pilotprojekte zu erschließen. Neben Velux und Leaftech beteiligen sich die Unternehmen Schlüter-Systems, Saint-Gobain (mit den Marken Isover und Rigips) sowie Mitsubishi Electric Europe an der Taskforce.
Die Studie, die von Velux in Auftrag gegeben wurde, ergänzt laut Mitteilung frühere Marktanalysen, indem sie das Potenzial nicht nur quantitativ erfasst, sondern auch qualitativ hinsichtlich des Bedarfs, technischer und baurechtlicher Parameter sowie Wirtschaftlichkeit eingrenzt. Auch die Eigentümerstruktur werde in der Analyse berücksichtigt, da sie die praktische Umsetzbarkeit von Nachverdichtungsmaßnahmen erheblich beeinflusst. Das Ergebnis liefert damit eine realistische Einschätzung des Potenzials, das durch skalierbare Ansätze tatsächlich erschlossen werden kann, heißt es in der Mitteilung weiter. Anhand dieser Kriterien ergebe sich für Deutschland ein Potenzial von 77.811 Wohngebäuden, auf denen zusätzliche 272.429 Wohneinheiten geschaffen werden könnten. Besonders groß sei dieses Potenzial in Bayern (64.685 mögliche Wohnungen), gefolgt von Hamburg (46.784), Hessen (31.541), Baden-Württemberg (30.340) und Schleswig-Holstein (24.751).
Wir liefern frei Haus! Jetzt den Newsletter abonnieren und ganz bequem die News der Baustoffbranche erhalten.
So entspannt: Sie geben Ihre Bestellung einmal auf, wir beliefern Sie ab dann automatisch dienstags und freitags. Lesen Sie das Wichtigste der Baustoffbranche: Namen, Daten, aktuelle Entwicklungen. So geht's relaxed ins Daily Business!
„Die Ergebnisse der Studie machen deutlich: Wir sollten besser nutzen, was längst da ist. Dachaufstockung und Ausbau sind wirksame Maßnahmen, um schnell und skalierbar Wohnraum zu schaffen “, wird Matthias Mager, Geschäftsführer von Velux Deutschland, zitiert. „Die Ergebnisse der Studie sind deswegen so wertvoll, weil sie über theoretische Szenarien hinausgehen – und sowohl konkrete als auch realistische Anknüpfungspunkte liefern, an denen wir als Unternehmen ansetzen können, um jetzt ins Handeln zu kommen.“
Fokus auf Potenziale für die schnelle Umsetzung
Um konkrete Handlungsperspektiven aufzuzeigen, trifft die Studie laut Mitteilung zunächst ausschließlich Aussagen über das Potenzial von Wohngebäuden mit den entsprechenden technischen Voraussetzungen (zum Beispiel in Bezug auf Baujahr, Fläche oder Dachform) sowie solche, bei denen Aufbau und Aufstockung voraussichtlich baurechtlich zulässig sind (beispielsweise aufgrund der Traufhöhe) und sich wirtschaftlich rechnen (gemessen an der durchschnittlichen Nettokaltmiete). Außerdem betrachte die Analyse vor allem die Regionen, in denen die Wohnungsnot besonders groß ist (mit Leerstandsquoten von unter 3,5 Prozent).
Wie der Mitteilung zu entnehmen ist, ermöglicht die Studie darüber hinaus eine differenzierte Betrachtung des Potenzials nach Eigentümerstruktur – mit dem Ziel, jene Gebäude zu identifizieren, bei denen die Umsetzung von Nachverdichtungsmaßnahmen besonders realistisch und kurzfristig möglich ist. Werde das Potenzial auf Gebäude ohne Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) begrenzt, ergebe sich ein realistisch erschließbares Potenzial von 272.429 Wohneinheiten. Beziehe man auch WEGs mit ein, steige die Zahl auf 429.252. Berücksichtige man darüber hinaus auch Altbauten oder Einfamilienhäuser, liege das Potenzial sogar deutlich höher. Nichtwohngebäude wie reine Büro- oder Betriebsgebäude seien in der Analyse nicht betrachtet worden.
Die Studie kann auf der Website von Leaftech heruntergeladen werden.
