Viel Kritik und wenig Lob erntet derzeit die Bundesregierung für ihre BEG-Reformpläne.
Viel Kritik und wenig Lob erntet derzeit die Bundesregierung für ihre BEG-Reformpläne. (Quelle: geralt/Pixabay)

Bauwirtschaft

29. July 2022 | Teilen auf:

Förderungsänderung schlägt hohe Wellen

Die am 27. Juli verkündeten kurzfristigen Änderungen der Förderbedingungen im Bereich der energetischen Sanierung durch das Bundeswirtschaftsministerium sorgen in allen Bauverbänden für Empörung und Unverständnis.

Wie das Ministerium bekannt gab, wird die Kreditförderung der BEG EM zum 28. Juli 2022 gestrichen. Ferner wird die Förderfähigkeit von gasbetriebenen Anlagen und den damit einhergehenden Umfeldmaßnahmen aufgehoben. Das betrifft die Förderung von Renewable-Ready-, Gashybrid-Heizungen und gasbetriebenen Wärmepumpen. Kombigeräte bestehend aus Gasbrennwertheizung und Wärmepumpe sind nicht förderfähig. Die Höchstgrenze förderfähiger Kosten bei Nichtwohngebäuden wird auf maximal fünf Millionen Euro reduziert.

Zudem werden die Fördersätze angepasst. Der Öl-Austausch-Bonus wird auf den Austausch von Gas-, Kohle-, und Nachtspeicherheizungen ausgeweitet: Der Bonus wird auf funktionierende Heizungen beschränkt; Gasheizungen müssen ein Mindestalter von 20 Jahren aufweisen (Ausnahme: Gasetagenheizungen); Nach dem Austausch darf das Gebäude nicht mehr mit fossilen Brennstoffen im Gebäude oder gebäudenah beheizt werden.

Es wird ein Bonus von fünf Prozentpunkten für Wärmepumpen gewährt, wenn als Wärmequelle Wasser, Abwasser oder Erdreich erschlossen wird. Und der iSFP-Bonus wird bei der Förderung von Heizungen nicht mehr gewährt.

Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa, meint dazu: „Es ist zwar richtig, angesichts von Energiekrise und Klimawandel auf die Sanierung des Gebäudebestands zu setzen. Auch die bisherige Sanierungsquote von rund einem Prozent ist zu niedrig. Aber der vom Bundeswirtschaftsministerium eingeschlagene Weg ist falsch. Das betrifft auch die Streichung des Bonus für den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Denn damit erhalten Gebäudeeigentümer umfassende Informationen zur Sanierung ihrer Immobilien. Weitere und höhere Investitionen werden dadurch angeregt.“

Zudem sei die Verunsicherung der Menschen derzeit groß – und sie werde bei dieser Politik noch größer, da Finanzierungspläne ins Wanken geraten und eine energetische Sanierung sich Eigentümer von Einfamilienhäusern voraussichtlich nicht mehr leisten können, wenn die Fördersätze gesenkt werden. Der ZDB fordert daher die Bundesregierung auf, die alten Förderbedingungen in Kraft zu lassen.

Auch Thomas Drinkuth, Leiter der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle RTG, hat sich zu den Plänen der Regierung geäußert. Er attestiert zwar, dass dieses Programm sowohl für die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten als auch für den Klimaschutz von zentraler Bedeutung sei, kritisiert aber, dass anstatt die Förderung – wie kürzlich im Klimaschutzsofortprogramm angekündigt – attraktiver gemacht und mehr Mittel bereitgestellt werden, sich die Bundesregierung für das Gegenteil entschieden habe.

zuletzt editiert am 29.07.2022