Infografik Bauvolumen
Infografik Bauvolumen (Quelle: DIW Berlin)

Branche im Blick

13. January 2022 | Teilen auf:

Bauvolumen legt stark zu

Laut der aktuellen Bauvolumenrechnung des DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) werden die Umsätze im Bausektor weiter kräftig wachsen. Als besonders krisenfest erweist sich der Forscher zufolge der Wohnungsbau.

Die deutsche Bauwirtschaft erweist sich gegenüber den wirtschaftlichen Ausschlägen der Corona-Pandemie als weitgehend resistent und bleibt auf Wachstumskurs. Die Nachfrage insbesondere nach Wohnraum bleibt ungebrochen, obwohl die Preise für Bauleistungen nach oben schießen. Der Preisanstieg trug maßgeblich dazu bei, dass das nominale Bauvolumen nach Berechnungen des DIW Berlin im abgelaufenen Jahr um rund 10 Prozent auf einen historischen Höchstwert von 488 Milliarden Euro kletterte, was einem Anteil von knapp 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. In diesem Jahr wird die Bauleistung laut der Wirtschaftsforscher voraussichtlich um weitere fast 13 Prozent und im kommenden Jahr um gut 6 Prozent zulegen. Preisbereinigt bleibe für 2022 und 2023 immer noch ein Zuwachs von jeweils rund 3 Prozent. „Die Bauindustrie ist und bleibt ein Stützpfeiler der coronageplagten deutschen Wirtschaft“, sagt Martin Gornig, Studienautor und Forschungsdirektor Industriepolitik am DIW Berlin. „Die besonderen Kapazitätsengpässe und der hohe Nachfragedruck machen die Bauwirtschaft aber auch zu einem Treiber der Inflation.“

Wohnungsbau floriert

Der Wohnungsneubau dürfte mit Blick auf die Umsätze auch im laufenden und im kommenden Jahr florieren, so die Einschätzung des DIW. Nach einem Plus von gut 10 Prozent im abgelaufenen Jahr werde sich der nominale Zuwachs in diesem Jahr voraussichtlich auf dieselbe Größenordnung belaufen. Da allerdings die Preissteigerungen in ähnlicher Größenordnung liegen, dürfte die reale Neubauleistung der Forscher zufolge kaum steigen. Erst im Jahr 2023 werde das Neubauvolumen wohl stärker steigen als die Baupreise — also auch der Umfang neu erstellten Wohnraums wieder zulegen. zulegen.

Im Wirtschaftsbau sei nach zwei schwachen Corona-Jahren mit Nachholinvestitionen zu rechnen. Bauprojekte wurden pandemiebedingt auf Eis gelegt, werden laut DIW aber voraussichtlich mit der gesamtwirtschaftlichen Erholung wieder angeschoben. Im Laufe des Jahres dürften sich auch die Lieferketten stabilisieren und Materialknappheiten reduziert werden, so die Branchenexperten.

Neue Dynamik im öffentlichen Bau

Im öffentlichen Bau stehen die Zeichen auf Wachstum: Wo sich zuletzt knappe Kassen und Investitionsstau bemerkbar machten, dürfte laut den Berliner Wirtschaftsforschern eine neue Dynamik entstehen. So dürfte die Nachfrage der öffentlichen Hand steigen, wenn die im Koalitionsvertrag vereinbar­ten Schritte zu langfristigen Investitionen in Aufbau und Erhaltung der Infrastruktur umgesetzt werden und Mittel aus dem Zukunftspaket ver­mehrt abfließen. Nach einem Rückgang im vergangenen Jahr prognostizieren die Studienautoren im Jahr 2022 ein reales Plus von 1,3 Prozent, nominal sind es rund 10 Prozent.

Die Ökonomen geben aber zu bedenken, dass die Ausweitung von Investitionsbudgets der öffentlichen Hand angesichts der hohen Baupreise nicht vollends die gewünschte Wirkung entfaltet, sodass die reale Bautätigkeit wohl geringer ausfällt als ursprünglich geplant. „So könnten ambitionierte politische Ziele zur Wohnungsversorgung und zum Infrastrukturausbau verfehlt werden“, erklärt Gornig.

Von öffentlicher Seite klar kommunizierte Ausbauziele würden Bauunternehmen eine Perspektive geben, Kapazitäten auszubauen, Mitarbeiter zu schulen und in die Digitalisierung von Prozessen zu investieren, befinden die Studienautoren. Das gleiche gelte für die durch personelle Engpässe strapazierte öffentliche Verwaltung. Hier könnte nach Einschätzung der Ökonomen etwa eine kommunenübergreifende Bereitstellung von Planungskapazitäten Entlastung schaffen wie sie bereits jetzt durch die Gesellschaft Partnerschaft Deutschland geschehe.

zuletzt editiert am 13.01.2022