Screenshot Pressekonferenz
Screenshot Pressekonferenz Quelle: Redaktion

Bauwirtschaft

05. February 2021 | Teilen auf:

Wissenschaftler sehen Potenzial von 235.000 „Ex-Büro-Wohnungen“

Auf einer Pressekonferenz in Berlin haben das Pestel-Institut (Hannover) und das schleswig-holsteinische Bauforschungsinstitut ARGE für zeitgemäßes Bauen in Kiel heute (5. Februar) zwei Wohnungsbau-Studien vorgestellt. Wie die Forscher auf der Hybridveranstaltung betonten, hätten Bund und auch Länder entscheidende Fehler in der Wohnungsbaupolitik gemacht, die sich jetzt – in der Corona-Krise – umso mehr rächen würden. Gleichzeitig biete die Corona-Pandemie aber auch eine Chance: die Umwandlung von Büro- in Wohnraum. Durch eine wachsende Akzeptanz vom Homeoffice könnten freiwerdende Büros jetzt – gefördert durch ein staatliches Sonderprogramm – zu Wohnungen umgebaut werden. Hier sehen die Wissenschaftler bis 2025 ein Potenzial von 235.000 „Ex-Büro-Wohnungen“.

Für diese müsse es allerdings eine strikte Sozialquote geben, fordert das Verbändebündnis „Soziales Wohnen“, das die Studien in Auftrag gegeben hat. In ihm haben sich neben dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) auch der Deutsche Mieterbund (DMB), die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IGBAU) zusammengeschlossen. Gemeinsam legten sie in Berlin einen „Akutplan 2025 für soziales und bezahlbares Wohnen“ vor. Dabei richtet das Bündnis fünf zentrale Forderungen an die Bundes- und Landespolitik:

1. Sicherung von zwei Millionen Sozialmietwohnungen bis zum Jahr 2030 durch Neubau sowie durch Kombination von Bestandsmodernisierung und Kauf von Belegrechten.

2. Gezielte Förderungen des Neubaus von jährlich 60.000 bezahlbaren Wohnungen in Ballungsgebieten und Wachstumsregionen.

3. Bereitstellung von Bauland für den jährlichen Neubau von 80.000 Sozialmietwohnungen sowie 60.000 bezahlbaren Wohnungen in Ballungsgebieten und Wachstumsregionen für Baulandpreise von maximal 300 Euro pro Quadratmeter Bauland.

4. Ausreichende Bereitstellung von sozialem, bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum für Menschen mit Behinderung und Menschen, die am Wohnungsmarkt besonders benachteiligt sind.

5. Vereinfachte Umnutzung von Gebäuden zum sozialen und barrierearmen Wohnen.

„Bezahlbare Wohnungen und Sozialmietwohnungen sind seit Jahren Stiefkinder der Politik. Dadurch hat sich im unteren Preissegment ein gewaltiges Wohnungsdefizit aufgebaut: Es fehlen aktuell bundesweit 670.000 Wohneinheiten (Berlin: 74.000) – fast ausschließlich Wohnungen mit bezahlbarer Miete und Sozialwohnungen“, sagte der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

„Die Branche wartet seit Jahren auf verlässliche Rahmenbedingungen. Wir warten vergeblich auf eine Wohnungsbaupolitik, die der Bau- und Immobilienwirtschaft über die jeweilige Legislaturperiode hinaus Planungssicherheit gibt. Dazu gehören vor allem klare, mittel- bislangfristige Zusagen für die Förderung des sozialen und bezahlbaren Wohnungsbaus“, sagte Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. „Vor allem aber muss der Staat aufhören, als ,Co-Bauherr' mitzubestimmen, was mit welchen Baustoffen gebaut werden soll. Er soll sich aus dem Wettbewerb der Systeme heraushalten und einheitliche, verlässliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Baustoffen schaffen.“

Wir berichten in der März-Ausgabe des BaustoffMarkt ausführlich über die Pressekonferenz und die vorgestellten Studien.