Zuletzt hatten wir Alexander Sinner, Geschäftsführer Vertrieb Austrotherm, im Mai letzten Jahres bei der Inbetriebnahme einer neuer Produktionsanlage am deutschen Standort des österreichischen XPS-Dämmstoffspezialisten in Wittenberge getroffen. Beim nun stattgefundenen Besuch Ende Februar in der BaustoffMarkt-Redaktion hat er neben den aktuellen Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens weitere Neuigkeiten im Gepäck.
Die Zahlen für 2019 und damit die geschäftliche Entwicklung sei laut Alexander Sinner für Austrotherm in Deutschland mit einen moderaten Anstieg im Absatz, aber einer leicht negative Umsatzentwicklung durch sinkende Rohstoffpreise, speziell in der zweiten Jahreshälfte 2019 gekennzeichnet. Hinzu kam die erforderliche Umbauphase für die neue Produktionsanlage in Wittenberge, die sich ebenfalls auf die Absatzzahlen ausgewirkt habe. Unter dem Strich sei das Unternehmen aber mit der geschäftlichen Entwicklung im vergangenen Jahr noch zufrieden, da man im Ergebnis ein leichtes Plus zum Vorjahr verzeichnete. Hatte sich der Geschäftsführer Vertrieb zum Zeitpunkt des Gespräches Ende Februar zunächst optimistisch für 2020 gezeigt, stellte er im Zeichen der gegenwärtigen Corona-Krise fest, dass sich aktuell (3. April) keine seriöse Aussage zur geschäftlichen Entwicklung in diesem Jahr tätigen lasse. Allerdings sei die Lieferfähigkeit weiter gewährleistet. Zumal die Gruppe mit Wittenberge und Österreich über zwei Lieferwerke für den gesamten deutschen Markt verfüge.
Auch die aufgrund der weiterhin angespannten Kostensituation speziell für Produktion, Energie geplante sowie Fracht geplante Preiskorrektur, die ab März greifen sollte, wurde ausgesetzt. Dazu Sinner: „Keiner von uns weiß, wie es nach der Corona-Krise weitergehen wird. Aus Rücksicht auf unsere Kunden haben wir deshalb zunächst keine Preiskorrektur vorgenommen. Unabhängig davon hat für Austrotherm aktuell der Schutz der Mitarbeiter oberste Priorität.“
Hart umkämpfter XPS-Markt
Unabhängig von dieser außergewöhnlichen Krise sei Deutschland mit einem Volumen von rund 3,5 Millionen Kubikmetern der mit Abstand größte XPS-Markt in Europa. Eine Tatsache, die Sinner nicht nur Freude bereitet, denn damit verbunden sei auch die Wettbewerbssituation stark ausgeprägt: „Wir stellen vermehrt fest, dass dieser Kampf um Marktanteile zu Aufweichungen im Markt führt und sich zunehmend ein Trend zum schnellen Geschäft abzeichnet. Eine Entwicklung, die in erster Linie zu unseren Lasten geht, weil wir auf die langjährige Partnerschaft mit dem Fachhandel setzen und aufbauend auf unseren Stärken Marktnähe sowie Kundenverständnis unseren Kunden, eine optimale Warenverfügbarkeit beziehungsweise entsprechende Serviceleistungen bieten. Vor diesem Hintergrund betrachten wir die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel als Gesamtpaket, das wie beschrieben mehr ist als nur Preis und Bonus.“ Nicht zu vergessen das Produktportfolio, ergänzt Sinner, das stetig weiterentwickelt und ausgebaut werde. Als Paradebeispiel nennt er die aktuellen Weiterentwicklungen „XPS Plus Mauerrandstreifen“ sowie der „XPS Plus Z-Foliendämmung“ im zweischaligen Mauerwerk, die es ermöglichen, den U-Wert über die gesamte Fassade hinweg gleich niedrig zu halten. Diese Weiterentwicklung sei auch ein Beweis dafür, dass sich die permanente Forschung und Entwicklung für eine noch effizientere Dämmleistung bezahlt mache, führt der Manager im Gespräch mit der BaustoffMarkt-Redaktion aus.
In diesem Zusammenhang berichtet er weiter, dass die Gruppe auch mit Forschungseinrichtungen kooperiert, um neben der Produktentwicklung auch die Prozesse im Unternehmen weiter zu optimieren. Als Beispiel nennt er die Implementierung eines fahrerlosen Transportsystems, an dem am österreichischen Standort in Pinkafeld in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut Austria gearbeitet wurde. Dieses System könnte bei einer positiven Bilanz demnächst auch am Standort Wittenberge zum Einsatz kommen. „Unser Ziel ist es, unsere Strukturen in der gesamten Gruppe weiter zu verbessern und damit verbunden unser Wachstum voranzutreiben. Gleichzeitig müssen wir uns den aktuellen Herausforderungen stellen: von der Digitalisierung über den Klimawandel bis zum Fachkräftemangel“, sagt Sinner.
Besonders vom frisch geschnürten Klimaschutzpaket der Bundesregierung erhofft sich der Geschäftsführer, der zugleich Vorsitzender der Fachvereinigung Extruderschaumstoff (FPX) ist, positive Effekte für die gesamte Dämmstoffbranche. Allerdings müsse aus seiner Sicht alle Branchenbeteiligten die Aufklärungsarbeit mit Hilfe von Fakten weiter forcieren, denn der Klimawandel sei mittlerweile durch die „Friday-for-Future“-Bewegung in der Bevölkerung angekommen: „Wir sehen uns als Hersteller von hochwertigen und sehr leistungsfähigen XPS-Dämmstoffen nachdrücklich dem Umwelt- und Klimaschutz verpflichtet und sind seit mehreren Jahren Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Mit gesicherten Qualitätsstandards und positiver Ökobilanz leisten die XPS-Produkte einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen und damit zur Erreichung der Klimaschutzziele. Ein Liter Erdöl, das für die Produktion der Dämmstoffe eingesetzt wird, spart 100 Liter nicht verbrauchtes Heizöl.“
Vor diesem Hintergrund werde auch die 2019 gestartete Imagekampagne zum Thema Klimaschutz fortgeführt. „Ebenso werden wir weiter daran arbeiten, energieeffizienter und umweltschonender zu produzieren. „Sofern Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht, werden wir hierzu eine Kundenveranstaltung durchführen. Wir wollen aufzeigen, dass von dem Themenkomplex der Nachhaltigkeit nicht nur das Klima profitiert, sondern durch entsprechende Wettbewerbsvorteile auch unsere Kunden“, sagt Sinner. Und ergänzt abschließend: „Auch beim Thema Kreislaufwirtschaft und Recycling sind wir auf einem guten Weg und haben erste Lösungen entwickelt. So können sortenreine Baustellenverschnitte schon jetzt wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden und wir arbeiten aktuell an Lösungen für verunreinigtes Alt-Polystyrol.“
Industrie 2020-04-28T07:27:43Z Partnerschaft statt das schnelle Geschäft
zuletzt editiert am 12. August 2020