Dr. Boris Tasche ist Vorstandsvorsitzender des Industrieverband Klebstoffe (IVK). Er ist bei Henkel als Corporate Vice President im Unternehmensbereich Klebstoffe tätig und dort für den Bereich Transaction Services verantwortlich. Quelle: Privat

Industrie

24. November 2020 | Teilen auf:

Industrieverband Klebstoffe gibt keine Prognose für 2020 ab

Die deutsche Klebstoffindustrie konnte im Geschäftsjahr 2019 ein Umsatzplus von 1,5 Prozent verzeichnen und damit einen Gesamtmarktumsatz von 4 Milliarden Euro realisieren, wie der Industrieverband Klebstoffe (IVK) jetzt meldete. Dabei seien im Wesentlichen die baunahen Klebstoffabnehmerbranchen Wachstumstreiber gewesen. Eine verlässliche Prognose für das Geschäftsjahr 2020 sei allerdings aufgrund der aktuellen sozioökonomischen Situation durch die Covid-19-Pandemie derzeit nicht möglich. Nichtsdestotrotz sieht sich die deutsche Klebstoffindustrie im europäischen als auch internationalen Wettbewerbsumfeld weiterhin sehr gut aufgestellt.

„Angesichts eingetrübter Wachstumsprognosen hat sich die deutsche Klebstoffindustrie 2019 in einem anhaltend heterogenen und volatilen wirtschaftlichen Umfeld bewegt“, so Dr. Boris Tasche, Vorstandsvorsitzender des IVK.

Nach einer insgesamt zufriedenstellenden Marktentwicklung für Klebstoffe in den ersten beiden Monaten wurde die deutsche Klebstoffindustrie im März 2020 von der globalen Coronavirus-Pandemie getroffen, wobei der Grad der Betroffenheit in den verschiedenen Schlüsselmärkten unterschiedlich ausgeprägt war.

Die Covid-19-Pandemie sei nicht nur eine globale Gesundheitskrise, sie werde auch erheblich die Weltwirtschaft mit noch nicht absehbaren Folgen negativ belasten. Trotz des Risikos, dass internationale Lieferketten durch Produktionsausfälle oder Grenzschließungen beeinträchtigt werden, seien seit Beginn der Pandemie alle wichtigen Klebrohstoffe gut bis sehr gut verfügbar.  Da die Entwicklung der Wirtschaft direkt an die Entwicklung des weltweiten Infektionsgeschehens geknüpft ist, geht die größte Bedrohung für die deutsche Klebstoffindustrie von erneuten „harten“ Lockdowns sowie von Schließungen von Produktionen durch Verdachtsfälle aus.

Ungeachtet möglicher wirtschaftlicher Auswirkungen der Covid-19-Pandemie ist die deutsche Klebstoffindustrie laut Mitteilung derweil sowohl europäisch als auch international sehr gut aufgestellt. Mit einem globalen Marktanteil von mehr als 19 Prozent sei sie Weltmarktführer, und auch in Europa belege die Branche mit einem Klebstoffverbrauch von 27 Prozent und einem Klebstoffproduktionsanteil von über 34 Prozent jeweils die ersten Plätze.

Weltweit werden mit Kleb- und Dichtstoffen, Klebebändern und Systemprodukten jährlich etwa 61 Milliarden Euro umgesetzt, so die Mitteilung weiter. Die überwiegend mittelständisch geprägte deutsche Klebstoffindustrie agiert international: Ein Großteil der Unternehmen produziert in Deutschland und exportiert weltweit. Darüber hinaus bedienen deutsche Klebstoffunternehmen die Weltmärkte aus ihren mehr als 200 lokalen Produktionsstandorten außerhalb Deutschlands.

Mit beiden Geschäftsmodellen generiert die deutsche Klebstoffindustrie weltweit einen Umsatz von annähernd 12 Milliarden Euro. Aus Deutschland heraus werden mehr als 1,7 Milliarden Euro Export getätigt, weitere 8,1 Milliarden Euro Umsatz generieren deutsche Klebstoffhersteller lokal aus ihren ausländischen Produktionswerken. Der deutsche Markt hat ein Umsatzvolumen von 4 Milliarden Euro pro Jahr. Durch den Einsatz von „Klebstoffsystemen erdacht in Deutschland“ in fast allen produzierenden Industriebranchen und in der Bauwirtschaft generiert die Klebstoffindustrie eine indirekte Wertschöpfung von deutlich über 400 Milliarden Euro im Inland; weltweit beläuft sich die Wertschöpfung auf mehr als 1 Billion Euro.