Baustelle Quelle: Pixabay
Die Bauwirtschaft trotzt der Corona-Krise. Quelle: Pixabay

Branche im Blick

24. February 2021 | Teilen auf:

Wachsende Bauleistung

In seiner aktuellen Bauvolumenrechnung prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung mit Sitz in Berlin der Bauwirtschaft eine deutlich wachsende Bauleistung in den Jahren 2020 bis 2022. Während sich der Wohnungsbau gegen die Corona-Krise stemme, erwarten die Wirtschaftsexperten schrumpfende Investitionen im Wirtschaftsbau.

Die Bauwirtschaft ist in Deutschland bislang verhältnismäßig gut durch die Corona-Pandemie gekommen und dürfte auch in den nächsten Jahren solide Wachstumsraten verzeichnen. So das Fazit der neuesten Bauvolumenrechnung des DIW Berlin. Den Berechnungen der Ökonomen Martin Gornig, Claus Michelsen und Laura Pagenhardt zufolge ist das Bauvolumen in Deutschland im vergangenen Jahr nominal um zusammengenommen vier Prozent auf etwa 444 Milliarden Euro gestiegen – trotz der Corona-Pandemie. Obwohl sich die Wachstumsrate damit im Vorjahresvergleich halbierte, sei die Bauwirtschaft weitaus weniger krisengeschüttelt als viele andere Branchen. Für dieses und das kommende Jahr sei ein weiterer Anstieg der Bautätigkeit zu erwarten, um knapp drei beziehungsweise gut fünf Prozent.

„Die Corona-Pandemie geht zwar auch an der deutschen Bauwirtschaft nicht spurlos vorbei – wir reden aber von einem weniger starken Plus, unter dem Strich also immer noch einem Wachstum“, sagt DIW-Konjunkturchef und Immobilienökonom Michelsen. „Die Baukonjunktur ist eine Stütze der deutschen Wirtschaft und wird auch in den kommenden Jahren zum Wachstum beitragen.“

Wohnungsneubau präsentiert sich krisenresistent

Nach wie vor werde hierzulande in erheblichem Umfang vor allem in den Neubau von Wohngebäuden investiert. Mit Wachstumsraten in den Jahren 2020 bis 2022 von nominal gut fünf, vier und fünfeinhalb Prozent (im Vergleich zu ebenfalls rund fünfeinhalb Prozent im Vor-Corona-Jahr 2019) zeichne sich lediglich eine kleine Wachstumsdelle ab, so die Wirtschaftsforscher. Ein maßgeblicher Grund sei, dass die Bauunternehmen ihre Arbeit bisher zu keiner Zeit einstellen mussten, sondern unter Hygieneauflagen fortführen konnten. Zudem helfe, dass Wohnungsbaukredite nach wie vor historisch günstig seien. Auch das entschlossene Eingreifen der Bundesregierung zur Stabilisierung der Haushaltseinkommen, beispielsweise durch das Kurzarbeitergeld, sowie die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung dürften nach Ansicht der Experten einen stärkeren Einbruch der Bautätigkeit im abgelaufenen Jahr verhindert haben. Die Zahl der Baugenehmigungen lag von Januar bis Oktober 2020 um 3,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Der sogenannte Bauüberhang entspreche derzeit der Wohnungsbauleistung von rund zweieinhalb Jahren.

Wirtschaftsbau bricht ein

Wo Licht ist, gebe es jedoch auch Schatten: Erstens weise die Bautätigkeit an bestehenden Wohngebäuden deutlich mehr Corona-Spuren auf als die Neubautätigkeit. So dürfte der Berechnungen des DIW zufolge die schlechte wirtschaftliche Lage und die Ungewissheit, kombiniert mit Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen, viele Immobilieneigentümer veranlasst haben, nicht dringend notwendige Ausbauarbeiten zu verschieben. Und zweitens wurde laut den Wirtschaftsforschern insbesondere der Nichtwohnungsbau erheblich von der Corona-Pandemie ausgebremst: Der Wirtschaftsbau werde in diesem Jahr wohl sogar schrumpfen, nachdem es schon 2020 nominal betrachtet nur noch ein Mini-Wachstum von gut einem Prozent gegeben habe. Preisbereinigt, also real, sei die Bauleistung bereits im vergangenen Jahr gesunken. „Auf Seiten der Unternehmen sorgen Verluste, weniger Eigenkapital und wirtschaftliche Unsicherheit dafür, dass weniger – oder zumindest keine zusätzlichen – Produktionskapazitäten gebraucht werden“, erklärt Pagenhardt, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Konjunkturpolitik am DIW Berlin.

„Die Corona-Pandemie geht zwar auch an der deutschen Bauwirtschaft nicht spurlos vorbei – wir reden aber von einem weniger starken Plus, unter dem Strich also immer noch einem Wachstum.“ Claus Michelsen

Bautätigkeit der öffentlichen Hand steigt deutlich

Der öffentliche Bau dürfte dem DIW zufolge von den drei Baubereichen in diesem Jahr mit nominal 6,9 Prozent am kräftigsten wachsen, bevor es 2022 wohl noch einmal um fast fünf Prozent bergauf gehe. Im vergangenen Jahr war die Entwicklung noch etwas verhalten: Aufgrund wegbrechender Gewerbesteuereinnahmen hielten sich die Kommunen mit Investitionen zurück, auch die dünn besetzten Bauämter halfen nicht, so die Forscher. Das Konjunkturpaket, das auch öffentliche Investitionen vorsieht, zeigte noch wenig Zugkraft. Das sollte sich in den kommenden Jahren ändern, zumal der Bund auch kommunale Steuerausfälle kompensiere, heißt es.

Nun komme es darauf an, dass die Mittel tatsächlich in der Bauwirtschaft ankommen, so Gornig, stellvertretender Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin: „Im Zweifel müssen die Konditionen für die Kommunen noch einmal vorteilhafter gestaltet werden, damit die notwendigen Investitionen in Bildung, Klimaschutz, Infrastruktur und Digitalisierung auf kommunaler Ebene nicht ins Stocken geraten.“

Längerfristig könnte eine kommunale Finanzreform den Städten und Gemeinden mehr Spielraum verschaffen. Ebenfalls würde vielen überschuldeten Kommunen eine Reduzierung ihrer Altschuldenlast helfen, so die Studienautoren. Hier seien in erster Linie die Länder gefragt. Der Bund könnte hingegen in Form einer Gemeinschaftsaufgabe zur Stabilisierung der kommunalen Investitionstätigkeit beitragen.