Stefan Thurn Quelle: BDB

Köpfe & Personalien

01. September 2020 | Teilen auf:

BDB-Präsident Stefan Thurn nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben

Stefan Thurn, der geschäftsführende Gesellschafter des Mainzer Baubedarfsspezialisten J.N. Köbig GmbH, ist tot. Wie das Unternehmen heute mitteilte, verstarb der 57-Jährige am 26. August nach „kurzer, sehr schwerer Krankheit“. Der Tod von Stefan Thurn lässt nicht nur die Branche und den Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), dem Stefan Thurn als Präsident zwölf Jahre vorstand, um einen engagierten Unternehmer und wertvollen Menschen trauern.

1996 übernahmen Stefan Thurn und sein Bruder Markus (56) das Zepter bei dem Großhändler für Baustoffe, Produkte des Garten- und Landschaftsbaus, Fliesen und Haustechnik (Sanitär/Heizung). Beide repräsentieren die fünfte Generation des mittlerweile 130 Jahre alten Familienunternehmens. Mit Millioneninvestitionen im hohen zweistelligen Bereich modernisierten die Thurn-Brüder den Vollsortimenter von Grund auf. Köbig ist heute an 13 Standorten in Rheinland-Pfalz, Hessen und Sachsen vertreten. Die von Stefan Thurn mitbetriebene Zukunftsausrichtung des Baubedarfsspezialisten Köbig liegt nunmehr ausschließlich in den Händen seines Bruders Markus Thurn. In der Geschäftsführung wird er von Isolde Keck (64) unterstützt.

Enge Verbindung zum BDB

Darüber hinaus ist die Familie Thurn über Generationen eng mit dem BDB verbunden und zählte Anfang des vorigen Jahrhunderts zu den Gründungsmitgliedern des Verbandes. Heinz Thurn, Köbig Inhaber der dritten Generation, baute den Nachkriegs-BDB mit auf. Sein Sohn Hans-Jürgen Thurn war Vorsitzender des VSI, Vorgängerverein des heutigen Deutschen Großhandelsverbandes Haustechnik DGA. Dessen Sohn wiederum, Stefan Thurn, verantwortete maßgeblich zunächst die Fusion der Baustoff-Landesverbände Bayern, Baden-Württemberg und Mitte zum Verband Süd und anschließend die Fusion zum Bundesverband mit Sitz in Berlin, dem er von 2008 bis 2020 als Präsident vorstand. Verbandsarbeit und berufsständische Interessenvertretung ist immer auch Unternehmerarbeit, lautet ein Credo der Familie.

Stefan Thurn war Impulsgeber und Moderator, der die Verbandsarbeit beim BDB grundlegend neu ausgerichtet hat. Durch Stefan Thurn ist der BDB in Berlin angekommen und hat die Interessen der Mitglieder bei vielen Initiativen gegenüber der Politik vertreten und angeregt - u.a. bei den Reformen im Insolvenzrecht zum § 133, der Forcierung des Wohnungsbaus, dem Aufbau eines einheitlichen Datenstandards oder beim Starkregenmanagement und im Trockenbau. Dabei hat Thurn wesentliche Akzente gesetzt und der BDB zum Teil koordinierend die Abstimmung verschiedener, zum Teil deutlich größerer Verbände übernommen.

Stefan Thurn war ausgebildeter Schweizer Plättlilegermeister und Bankkaufmann - ein Mann, der das Geschäft und die Kunden des Baustoff-Fachhandels von der Basis her kennengelernt hat. „Stefan Thurn war ein Präsident, der nicht nur mit der familiären Tradition viel Erfahrung in der Führung eines Verbandes mitgebracht hat, sondern Themen zuspitzen konnte und immer mit der Unternehmerbrille versucht hat, den zielführenden Kompromiss zu finden. Im entscheidenden Moment war er ein Meister der Diplomatie und gesichtswahrender Lösungen. Dieser Eigenschaft ist es u.a. zu verdanken, dass der BDB heute als zentraler Bundesverband in Berlin den direkten Kontakt zu den Mitgliedern hat, über äußerst effiziente Kostenstrukturen verfügt und gradlinig die Unternehmerthemen bei den Berliner Ansprechpartnern platzieren kann. Sein überraschender Tod ist für den BDB ein herber Schlag“, so die Einschätzung seiner Kollegin und Vizepräsidentin Katharina Metzger. Der Kontakt zur Industrie war Thurn extrem wichtig. Wie kaum ein anderer Verband ist der BDB seit fast 40 Jahren im Gesprächskreis Baustoffindustrie im BDB eng vernetzt mit den marktführenden Herstellern der Branche. Auch diesem Verein stand Thurn als Sprecher des Vorstandes vor. Die Mitgliederversammlungen waren unter seiner Ägide Top-Events für die Entscheider und Multiplikatoren der Branche - immer mit dem Anspruch, Akzente zu setzen und Denkanstöße zu geben.

Hauptgeschäftsführer Michael Hölker, seit 2008 eng im Duo mit Thurn aktiv, unterstreicht, dass „Thurn jederzeit ein offenes Ohr für die vielfältigen Initiativen des Verbandes hatte, maßgeblicher Impulsgeber und immer vor Ort war, wenn es Themen vor der Kamera oder den Medienvertretern zu positionieren galt. Dabei hat es ihm sehr geholfen, dass er mit den Erfahrungen aus der Mainzer Fastnacht, ebenfalls als Präsident, Medienprofi durch und durch war.“ „Stefan Thurn war gradlinig, manchmal eckig, aber immer verbindlich und ein wunderbarer Mensch. Er konnte verbinden, wenn andere polarisierten. Er war aber auch ein Mensch, der genießen konnte. So war Stefan Thurn nicht nur ein profunder Kenner heimischer Speisen, sondern hatte über die Jahre auch die Vielfalt der asiatischen Küche für sich entdeckt und zum weiteren unternehmerischen Steckenpferd werden lassen.“

Unsere stillen Gedanken sind bei seiner Frau, der Familie Thurn und den Mitarbeitern des Hauses Köbig.