400.000 neue Wohnungen jährlich hat die Ampel-Koalition als Zielmarke gesetzt, hinzu kommen ehrgeizige politische Klimaschutzziele. Das Verbändebündnis Wohnungsbau, das vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) koordiniert wird, hat auf dem 13. Wohnungsbau-Tag 2022 in Berlin ein Konzept vorgestellt, wie diese „Herkulesaufgabe für ein neues Wohnen“ gemeistert werden könne. So legte das Bündnis eine aktuelle Studie des Bauforschungsinstituts„ARGE für zeitgemäßes Wohnen“ (Kiel) vor. Darin setzen die Wissenschaftler auf einen Mix aus mehr Neubau und deutlich mehr Umbau im Gebäudebestand. Das sei – zusammen mit mehr Klimaschutz beim Wohnen – allerdings nur zu erreichen, wenn der Staat eine Reihe von zusätzlichen Steuer-Anreizen setze und KfW-Programme anpasse beziehungsweise neue Förderungen schaffe.
„Aus der vorhandenen Gebäudesubstanz kann erstaunlich viel herausgeholt werden: Das Potenzial, das allein der Umbau bestehender Gebäude bietet, liegt bei über 4,3 Millionen neuen Wohnungen. Genug also, um in Kombination mit dem Bau komplett neuer Wohnhäuser das Ziel der Bundesregierung zu erreichen“, so ARGE-Institutsleiter Dietmar Walberg.
Die Wissenschaftler setzen zudem auf mehr Energiespar-Sanierungen bei den knapp 19,3 Millionen Wohngebäuden in Deutschland. Rein rechnerisch sollte künftig jeder 55. Altbau pro Jahr energetisch komplett modernisiert werden, hieß es auf dem 13. Wohnungsbau-Tag. Damit würde die jährliche Sanierungsrate von derzeit 1 auf dann 1,8 Prozent steigen. Bei der Klimaschutz-Modernisierung forderten die Wissenschaftler der ARGE allerdings, Kosten und Nutzen gründlich abzuwägen, um das Wohnen nicht unverhältnismäßig teuer zu machen. Deshalb favorisieren sie bei energetischen Sanierungen von Gebäuden das Effizienzhaus 115 als Standard. Beim künftigen Neubau empfiehlt die Studie das Effizienzhaus 70. Beim Neubau sei es genauso wie beim Modernisieren notwendig, die Ressourcen im Blick zu haben – vor allem auch Fachkräfte und staatliches Fördergeld.
Neben einer digitalen Pressekonferenz war wieder eine Polit-Arena mit Spitzen-Politikern Teil des diesjährigen Wohnungsbau-Tags, der unter dem Motto „Wohninventur für Deutschland (Bauen - Umbauen- Sanieren)“ stand. In ihrer Keynote sprach die Bundesbauministerin Klara Geywitz den Wunsch aus, die Tradition eines eigenständigen Bauministeriums auch über die Legislaturperiode hinweg wieder neu zu begründen. Wie Geywitz zudem betonte, werde sie Akteure der Baubranche zeitnah zu einem Bündnis bezahlbarer Wohnraum einladen. Im Frühjahr wolle man so eine Investitions- und Innovationsoffensive anschieben.
In der März-Ausgabe des BaustoffMarkt berichten wir ausführlich und in Gänze über den 13. Wohnungsbautag.
