Studie "Wohnen der Altersgruppe 65plus"
Stellten in München ihre Ergebnisse zum Thema altersgerechtes Wohnen vor (v. l.): Tanja Buß, Matthias Günther und Michael Hölker. Foto: Redaktion/ts
15.01.2019 Fachhandel

BDB warnt mit neuer Studie vor "grauer Wohnungsnot"

Ab 2035 wird Deutschland "richtig alt" und im Alter zunehmend ärmer. Und trotzdem muss sich die neue Rentner-Generation das Wohnen auch noch leisten können. Genau das wird so allerdings mit dem jetzigen Wohnungsmarkt nicht klappen, sagt das Pestel-Institut. Die Wissenschaftler aus Hannover warnen: Deutschland steuert auf ein massives Alters-Wohnproblem zu - auf eine "graue Wohnungsnot". Dazu legte das Pestel-Institut gestern (14.Januar) auf der Fachmesse BAU in München im Auftrag des Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine neue Studie vor. Titel: "Wohnen der Altersgruppe 65 plus". Demnach werden ab 2035 rund 24 Millionen Menschen zur Altersgruppe "65 plus" gehören - rund 6 Millionen mehr als heute. Die Wissenschaftler kommen in der Studie zu dem Schluss, dass bereits bis 2030 bundesweit rund 3 Millionen altersgerechte Wohnungen zusätzlich gebaut werden müssen. "Es ist deshalb notwendig, beim Neubau weiterhin den Fokus verstärkt auf das altersgerechte Bauen zu legen. Ein Großteil der erforderlichen Senioren-Wohnungen wird allerdings durch den Umbau vorhandener Wohnungen entstehen müssen: Deutschland steht vor einem neuen Baujahrzehnt des altersgerechten Sanierens", sagte Michael Hölker mit Blick auf die Studienergebnisse. Für den BDB-Hauptgeschäftsführer steht fest: "Deutschland muss sich umbauen." Gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente, sei der Bedarf vor allem an kleinen und bezahlbaren Senioren-Wohnungen enorm. Die Wissenschaftler aus Hannover benennen in München auch die Kosten: Demnach werden für den altersgerechten Umbau und die Modernisierung bis 2030 rund 50 Milliarden Euro an Investitionen und damit mindestens 5,6 Milliarden Euro an Fördermitteln erforderlich sein. Der Staat müsse diesen "grauen Wohnungsumbau" offensiv unterstützen - mit Beratungs- und Förderprogrammen. Das Pestel-Institut kommt in seiner Studie zu dem Schluss, dass mindestens 500 Millionen Euro jährlich an Fördermitteln für den generationengerechten Bau- und Umbau erforderlich sind. Für den Staat rechne sich dies sogar: "Barrierearme Wohnungen ermöglichen Menschen eine Pflege in den eigenen vier Wänden. Die deutlich teurere und oft nicht gewollte stationäre Pflege im Heim lässt sich so häufig vermeiden", sagt Studienleiter Matthias Günther.

Die konkreten Ergebnisse der Studie präsentiert der BDB, wie angekündigt, zusätzlich auf der BAU im Rahmen einer Informationsveranstaltung zum Thema "Altersgerechtes Bauen", die der Verband gemeinsam mit der Rudolf Müller Mediengruppe durchführt. Die Informationsveranstaltung findet am Donnerstag, den 17. Januar von 10.30 bis 12.30 Uhr im ICM Internationales Congress Center Saal 14 a der Messe München statt. Im Rahmen der Veranstaltung und im Anschluss an die Vorstellung der Studienergebnisse wird ebenso die erste "bfb barrierefrei bauen - Trendstudie 2019" der Rudolf Müller Mediengruppe vorgestellt, auf deren Ergebnisse Tanja Buß, Leiterin des Geschäftsfeldes "bfb barrierefrei bauen" auf der Pressekonferenz einging. So zeigte die Untersuchung unter anderem, dass die Mehrkosten für Barrierefreiheit bei guter Planung überschaubar bleiben. Dennoch bleibe die Angst vor Mehrkosten das wesentliche Hemmnis. Größte Herausforderung bei dem Thema sei es aber nach wie vor, die Beschäftigung mit der Barrierefreiheit in den Köpfen der Bauherren zu verankern.

Neben dem Themenschwerpunkt altersgerechtes Wohnen zog der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel auf seiner Pressekonferenz in München auch eine Konjunkturbilanz: Durch die weiterhin lebhafte - und stark von den Impulsen des Wohnungsbaus profitierende - Baukonjunktur geht der Fachhandel für das zurückliegende Jahr von einem Umsatzplus von gut 5 Prozent aus. Dies ergab eine repräsentative Branchen-Blitzumfrage des BDB unter rund 1.000 Verbandsmitgliedern. Für das Baujahr 2019 erwarte man erstmals die Auswirkungen der letzten Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2016). Denn die bisherigen Gebäude seien überwiegend noch mit Baugenehmigungen nach dem Standard der EnEV 2014 errichtet worden. Durch den höheren Anteil der durch die EnEV 2016 erforderlichen Gebäudetechnik wird, so der BDB, in diesem Jahr im Baustoff-Fachhandel voraussichtlich weniger Wertschöpfung generiert. Die EnEV werde sich als "starker Kostentreiber im Wohnungsbau" auswirken. Der BDB erwartet hierdurch auch im Baujahr 2019 eine "dämpfende Wirkung" auf den Wohnungsbau. "Trotz des 'Wohnungsbau-Schwächefaktors EnEV' signalisiert das Baukonjunktur-Barometer des BDB allerdings auch für 2019 ein deutlich positives Signal. Wir gehen mit Optimismus ins neue Baujahr", sagte Michael Hölker in München.

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