Umfrage
Die Ergebnisse der Befragung in der Übersicht. Grafik: ZVDH
14.05.2020 Bauwirtschaft

Dachdeckerhandwerk meistert die Coronakrise bisher ganz gut

Die Auswirkungen der Coronakrise auf das Dachdeckerhandwerk war Thema einer Umfrage, die der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) Ende April gestartet hatte. Befragt wurden die rund 7.000 Mitgliedsbetriebe, über 1.300 Betriebe haben geantwortet.

Erfreuliches Ergebnis: Die meisten Betriebe spüren bislang keine oder nur geringe coronabedingte Auswirkungen. Eine der deutlichsten Folgen sind für rund 20 Prozent der Betriebe Auftragsverschiebungen, bei 12 Prozent kommt es zu Umsatzrückgängen. Nur 7 Prozent geben an, stark oder sehr stark von Stornierungen betroffen zu sein. Am deutlichsten zeigen sich Auftragsrückgänge bei privaten Auftraggebern, dort schwerpunktmäßig im Bereich Sanierung und Reparatur. Personalausfälle - sei es durch Erkrankungen oder wegen notwendiger Kinderbetreuung - müssen nur knapp 13 Prozent der Betriebe in Kauf nehmen. Kaum ins Gewicht fallen fehlendes Material oder der Wegfall von Vorleistungen.

Um die Krise bestmöglich zu meistern, stehen zahlreiche Instrumente zur Verfügung: Abbau von Urlaub und Überstunden, Inanspruchnahmen von Soforthilfen und Krediten, Einführen von Kurzarbeit, schlimmstenfalls sogar das Entlassen von Personal. Auch hier zeigt sich, dass das Dachdeckerhandwerk gut aufgestellt ist: 60 Prozent der befragten Betriebe mussten bislang keine der genannten Maßnahmen umsetzen, Kündigungen und vorübergehende Betriebsschließungen bleiben insgesamt gesehen die absolute Ausnahme.

Viel Wert wird dahingegen gelegt auf das Befolgen der Hygienemaßnahmen. Hierfür stellen Betriebsinhaber den Mitarbeitern die notwendigen Utensilien zur Verfügung und schulen das Einhalten der Vorgaben. Viele Betriebe arbeiten im Schichtsystem mit festen Teams, der Fahrzeugbestand wird erweitert, Mitarbeiter, die zur Risikogruppe gehören, bleiben zu Hause. Befragt zu den Auftragsvorläufen zeigt sich, dass fast 67 Prozent noch bis zu vier Monaten mit Aufträgen versorgt sind, 30 Prozent geben sogar an, auch über vier Monate hinaus noch Arbeiten in den Büchern zu haben. "Bei all diesen positiven Ergebnissen muss aber klar sein, dass man den Krisenzustand nur noch begrenzt durchhalten kann. Auch private Auftraggeber leiden finanziell unter der Krise, und wenn es dann nicht unbedingt notwendig ist, wird das Dach eben nicht neu gedeckt. Zudem rechnen wir im Gewerbebau zunehmend mit deutlicher Zurückhaltung bei Investitionen", macht Dachdeckermeister und ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk deutlich. Ab Herbst, so fürchten denn auch einige Betriebe, werde sich das Blatt möglicherweise wenden.