28.02.2019 Bauwirtschaft

"Deutschland-Inventur" ergibt erhebliche Wohnraum-Potenziale durch Aufstockung und Umnutzung

Pressekonferenz
Hohes Interesse bei der Vorstellung der Deutschland-Studie 2019 auf einer Pressekonferenz. Foto: Wohnungsbau-Impulse/Tobias Seifert

Bundesweit lassen sich 560.000 Wohneinheiten allein durch die Dachaufstockung von Bürokomplexen und Verwaltungsgebäuden erreichen. Und wo früher einmal Büros und Behörden untergebracht waren, bieten leerstehenden Gebäude heute ein Potenzial von weiteren 350.000 Wohnungen. Diese Zahlen nannten die TU Darmstadt und das Pestel-Institut gestern (27. Februar) bei der Vorstellung der Deutschland-Studie 2019 "Wohnraum-Potenziale in urbanen Lagen-Aufstockung und Umnutzung von Nicht-Wohngebäuden" auf einer Pressekonferenz in Berlin. Auf den innerstädtischen Flächen der zwanzig größten Lebensmittelmarkt- und Discounterketten sehen die Forscher ein weiteres Potenzial von rund 400.000 Wohnungen. "Büro- und Geschäftshäuser, eingeschossige Discounter mit ihren Parkplätzen bieten ein enormes Potenzial für zusätzliche Wohnungen- durch Nachverdichten wie Aufstocken, Umnutzung und Bebauung von Fehlflächen", sagte Prof. Karsten Tichelmann von der TU Darmstadt.

Die Wissenschaftler haben dazu die Gebäude und Fehlflächen (Brachflächen, Fehlbebauungen, fehlgenutzte Flächen und so weiter) - auch durch die Auswertung von Luftbildern - analysiert und eine "Deutschland-Inventur" bei den Immobilien und versiegelten Grundstücken gemacht. Dass es notwendig ist, diese Wohnungsbau-Reserven zu heben, liegt für die Wissenschaftler auf der Hand. So müssten derzeit jährlich bundesweit rund 400.000 Wohnungen (davon gut 18.400 in Berlin) neu gebaut werden. Branchen-Insider gehen allerdings davon aus, dass im gesamten letzten Jahr weniger als 300.000 neue Wohnungen entstanden sind. Um die brachliegenden Potenziale für den Wohnungsbau zu nutzen, müssen sich die politischen Rahmenbedingungen verändern.

Verbändebündnis fordert mehr Bereitschaft für gute Lösungen und weniger Bürokratie

Das fordern 16 Verbände und Organisationen der Bau- und Immobilienbranche, zu denen auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) gemeinsam mit WIR für Ausbau und Trockenbau (WIR) gehören, die die Deutschland-Studie 2019 bei der TU Darmstadt und dem Pestel-Institut in Auftrag gegeben haben. Dafür notwendig seien Weiterentwicklungen im Bau- und Planungsrecht. "Wir brauchen weniger bürokratische Hürden und mehr Bereitschaft zu guten, konzeptionellen Lösungen. Dabei wären auch zentrale Anlaufstellen als Ansprechpartner wichtig", sagt Holger Ortleb als Koordinator des Verbändebündnisses. Aber auch finanzielle Anreize seien notwendig: So macht sich das Verbändebündnis unter anderem dafür stark, die Abschreibung von derzeit 2 Prozent bei Dachaufstockungen und der Umnutzung von Nicht-Wohngebäuden auf einen AfA-Satz von 4 bis 5 Prozent anzuheben. Nur so gelinge es, private Investoren verstärkt für Aufstockungen und Umwandlungen zu gewinnen.

In dem Verbändebündnis zusammengeschlossen haben sich: die Bundesarchitektenkammer (BAK), die Bundesingenieurkammer (BingK), die Wohnungswirtschaft Deutschland (GdW), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), der Immobilienverband Deutschland (IVD), Haus & Grund, der Verband Privater Bauherren (VPB), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) gemeinsam mit WIR für Ausbau und Trockenbau (WIR), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), der Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden (bbs), der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH), der Fachverband Mineralwolleindustrie (FMI), der Bundesverband Flachglas (BF) gemeinsam mit dem Verband Fenster und Fassade (VFF) und der das Bündnis koordinierende Bundesverband der Gipsindustrie (GIPS). Der BaustoffMarkt berichtet in der März- Ausgabe ausführlich über die Studie.

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