Foto: Pixabay

Erste Eintrübungen begannen im Februar

Zum 21. Mal hat die Unternehmensberatung Homburg & Partner in Kooperation mit der BaustoffMarkt-Redaktion im Februar Führungskräfte der herstellenden Unternehmen der deutschen Bauzuliefer-Branche nach ihrer Einschätzung Geschäftslage befragt.

Die Zufriedenheit mit der aktuellen Geschäftslage und die Geschäftserwartungen an die nächsten sechs Monate waren (Stand Februar) für einen Großteil der Unternehmen aus der Baubranche tendenziell positiv. Der Zufriedenheitsindex verzeichnete einen Anstieg von +0,2 auf 2,4 Punkte (erhoben auf einer 6er-Schulnotenskala, vgl. Abb. 1). Knapp zwei Drittel der Befragten bewerteten die Geschäftslage mit gut bis sehr gut. Lediglich 11 Prozent bewerteten im Februar die aktuelle Geschäftslage als eher negativ.

Demgegenüber haben bereits im Februar 18 Prozent der Befragten die Geschäftserwartung als eher negativ eingeschätzt, dies ist als erster Indikator für die Eintrübung der Geschäftserwartung durch den Coronavirus zu interpretieren, wenngleich die Gesamtheit der Branche stabile Erwartungen mit einem Geschäftserwartungsindex von 2,7 hatte (keine Veränderung zum Vorjahr). Dieses Gesamtergebnis deckt sich auch mit aktuellen Studienergebnissen, die davon ausgehen, dass die Baubranche aus der Corona-Krise glimpflich davon kommt.

Bei der Zufriedenheit und den zukünftigen Erwartungen zeigten sich auch Unterschiede zwischen den Sub-Branchen: So schätzten Vertreter der beiden Sub-Branchen Garten- und Landschaftsbau (Galabau) und Holz & Bauelemente die Geschäftslage mit 2,1 Punkten deutlich besser ein als Vertreter aus dem Hochbau (2,7 Punkte). Die Geschäftserwartungen wurden am besten im Tiefbau eingeschätzt (2,0 Punkte), wohingegen Vertreter aus dem Innenausbau deutlich pessimistischer bezüglich der nächsten sechs Monate sind (3,1 Punkte). Keine der befragten Gruppen ging im Februar von einem Umsatzrückgang für 2020 aus.

Die insgesamt zufriedenstellend bewertete Geschäftssituation kann vor allem durch den erwirtschafteten Umsatz im Jahr 2019 erklärt werden. Die deutsche Bauwirtschaft verzeichnete einen Gesamtumsatz im letzten Jahr von 350 Milliarden Euro. Die Hälfte der Befragten gaben an, im Jahr 2019 ein deutliches Umsatzwachstum von mindestens +2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt zu haben. Diese Entwicklung ist am stärksten in den Sub-Branchen Galabau und Bauchemie ausgeprägt, in denen vier von fünf Vertretern ein Umsatzwachstum erwirtschafteten. Bei genauerer Betrachtung der Umsatzverteilung auf die Vertriebskanäle wird deutlich, dass die Baubranche von Veränderungsprozessen geprägt ist. Der Großhandel verliert im Jahr 2019 abermals 5 Prozent-Punkte Umsatzanteil im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig steigt der Umsatzanteil des Verarbeiter-/Direktgeschäfts (+5 Prozent-Punkte) und des DIY/Einzelhandel (+3 Prozent-Punkte). Außerdem nimmt der Umsatzanteil über eCommerce oder elektronische Plattformen erneut zu (+3 Prozent-Punkte). Es ist anzunehmen, dass die Corona-Krise insbesondere die Verschiebung Richtung eCommerce noch beschleunigen wird.

Top-Themen: Coronavirus, Generationenwechsel im Handwerk und Digitalisierung

Neben der Beurteilung der Geschäftslage werden die Teilnehmer regelmäßig gebeten, verschiedene Top-Themenfelder hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Baubranche und ihr Unternehmen zu bewerten.

In der diesjährigen Befragung spiegelt sich deutlich wider, dass die Ausbreitung des Coronavirus auch vielen Vertretern aus der Baubranche zunehmend Sorgen bereitet, da eine Vielzahl an gewerblichen und staatlichen Maßnahmen zu erwarten sind, die die konjunkturelle Entwicklung weltweit und in Deutschland bremsen. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt, dass vor allem die Entwicklung der Baubranche stark an die gesamtwirtschaftliche Situation gekoppelt ist. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Baubranche lassen sich aktuell nur auf Basis von Szenarien modellieren.

Die OECD geht je nach Szenario von einer Entwicklung des Bauvolumens zwischen -0,5 Prozent und +2,1 Prozent im Jahr 2020 in den europäischen Volkswirtschaften aus. Ein möglicher Rückgang des Bauvolumens kann dabei durch eine Vielzahl möglicher Faktoren bedingt sein. Auf Produktionsseite fehlen Baustoffe und Materialien, wenn Werke in Folge von Erkrankungen den Betrieb einstellen. Nachfrageseitig können Bauämter geschlossen werden, welches zu einem Rückgang der öffentlichen Bauaufträge führt. Ebenso nehmen gewerbliche Aufträge ab, wenn Investitionen vorerst zurückgestellt werden, um das eigene Geschäft abzusichern.

Neben einem möglichen Rückgang der Produktion und Nachfrage können auch die Baustellenaktivitäten direkt betroffen sein. So hat die Schließung der deutschen Außengrenzen dazu geführt, dass 100.000 Entsendearbeitnehmer Probleme bei der Einreise haben und die Baustellen nicht erreichen können. Darüber hinaus kann die Infektion von Bauarbeitern dazu führen, dass ganze Kolonnen in Quarantäne gestellt oder Baustellen behördlich ganzheitlich geschlossen werden. Die Einschränkung der Baustellenaktivitäten würden somit den ohnehin schon großen Arbeitsrückstand verschärfen.

Auf der anderen Seite gibt es einige Gründe dafür, dass die deutsche Baubranche aus der Corona-Krise glimpflich davonkommt. Erstens hat die Branche in den vergangenen Jahren eine konstante Boomphase erlebt, die für ausreichende Auftragsreserven sorgt. Zweitens ist die deutsche Baubranche weniger exportorientiert als andere Branchen (wie z.B. Automobil), sodass keine größere Abhängigkeit von den wirtschaftlichen Entwicklungen im Ausland (insb. China) besteht. Drittens spielen vor allem im Neubaumarkt langfristig orientierte Anlagen die Hauptrolle, sodass nicht mit einer größeren Verunsicherung auf Investorenseite zu rechnen ist. Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Corona-Krise moderate Auswirkungen auf die hiesige Baubranche hat und kein Grund zur Panik besteht.

Weitere Prognosen und Entwicklungen der Branche erfahren Sie im Fachmagazin „BaustoffMarkt“. Sie können das Heft als Jahres-Abo oder zum Testen, als Mini-Abo, über unseren Baufachmedien E-Shop erwerben.

Zum Jahres-Abo                                              Zum Mini-Abo

Neben der Ausnahmesituation im Zusammenhang mit dem Coronavirus, wird der anhaltende und sich zukünftig verstärkende Generationenwechsel bei Verarbeitern von 43 Prozent der Befragten als Top-Thema genannt. Der Generationenwechsel hat zwei zentrale Effekte. Erstens weitet sich der schon bestehende Fachkräftemangel aus, da mehr Arbeitskräfte der älteren Generation den Arbeitsmarkt verlassen, als von der jüngeren Generation hinzukommen.

In diesem Zusammenhang messen die Hälfte der Befragten der digitalen Vernetzung auf den Baustellen besondere Bedeutung zu, um den sich verschärfenden Kapazitätsengpässen entgegenzuwirken. Außerdem spielt in einzelnen Sub-Branchen, wie Hochbau und Innenausbau, die modulare Bauweise zur einfacheren Produktverarbeitung als Top-Thema eine Rolle. Zweitens ändern sich durch die jüngere Verarbeiter-Generation die Bedürfnisse und Anforderungen an die herstellenden Unternehmen. Diesbezüglich nennt ein Drittel der Befragten steigende Serviceanforderungen der Verarbeiter und Endkunden als Top-Thema.

Ebenso werden die Digitalisierung von Vertriebsprozessen und die Entwicklung von Online Marktplätzen als Top-Themen genannt, um sich verändertem Kaufverhalten anzupassen. Im Zusammenhang mit einer zunehmenden Bedeutung von Online-Marktplätzen, wird ebenfalls steigende Preistransparenz als wichtig empfunden.

Die Befragten wurden gebeten die Aufstellung des eigenen Unternehmens bezüglich der genannten Top-Themen zu bewerten. Außerdem wurde in dieser Befragung eine Bewertung auf dem Homburg & Partner Pricing Excellence Barometer erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass aktuell nicht alle Unternehmen den Herausforderungen gewachsen sind, die sich aus den Top-Themen ergeben:

63 Prozent der Befragten fühlen sich auf den bevorstehenden Generationenwechsel bei Verarbeitern unzureichend vorbereitet

42 Prozent der Befragten geben an, den steigenden Serviceanforderungen der Verarbeiter & Endkunden nicht vollends gerecht werden zu können

  • 74 Prozent der Befragten geben an, im Bereich digitale Vernetzung der Bauprojekte/BIM mittelmäßig bis schlecht aufgestellt zu sein
  • 63 Prozent der Befragten automatisieren bzw. digitalisieren ihre Vertriebsprozesse aktuell nicht ausreichend
  • 76 Prozent der Befragten investieren unzureichende Ressourcen in die Entwicklung von Plattformen/ Online Marktplätzen
  • 61 Prozent der Befragten sehen ihr Unternehmen mittelmäßig bis schlecht auf die Folgen von steigender Preistransparenz vorbereitet
  • 24 Prozent der Befragten geben an über keine klare Preis-Leistungspositionierung zu verfügen
  • 42 Prozent der Befragten schätzen das eigenen Preis- und Konditionensystem als nicht ausreichend leistungsorientiert ein

Unserer Ansicht nach legen die Ergebnisse der aktuellen Befragung drei zentrale Empfehlungen nahe, die sich auch in unseren vielfältigen Diskussionen mit Führungskräften der Bauzulieferindustrie widerspiegeln:

  1. Passen Sie Ihren Leistungsportfolio an die Bedürfnisse der neuen Generation an.
  2. Stabilisieren Sie kurzfristig ihr Preisniveau und
  3. Überarbeiten sie mittelfristig Ihr Preismodell, damit Preistransparenz für Sie zum Wettbewerbsvorteil wird.

Aufholbedarf bei der Umsetzung

Auch die Baubranche in Deutschland wird nach einer langen Wachstumsperiode von den Auswirkungen des Coronavirus überschattet, dessen kurzfristige Folgen sich aktuell nur schwer einschätzen lassen. Mittelfristig zählt vor allem der Generationenwechsel von Verarbeitern zu einer zentralen Herausforderung, der eine Veränderung der Marktbearbeitung erfordert. Diese Veränderung gilt es in konkreten Projekten und Initiativen voranzutreiben, um die zukünftige Marktposition zu sichern.

Weitere Übersichten, Basisdaten und Prognosen der Bauwirtschaft finden Sie im Baustoff-Jahrbuch 2019/2020. Dazu gehören auch die wichtigsten Personalien des Jahres, ein Terminkalender mit den relevanten Branchen-Veranstaltungen sowie ein Adressenverzeichnis der Verbände und Organisationen der Baustoffindustrie. Das Jahrbuch können Sie über unseren Baufachmedien E-Shop erwerben.

Jetzt Jahrbuch 2019/20 kaufen

Aktiv Zusatzverkäufe: Darfs ein bisschen mehr sein?

Foto: Pixabay

In der Bäckerei fast schon eine Selbstverständlichkeit: der Zusatzverkauf. Unserem Online-Seminar am 12. August, um 11 Uhr, mit Hans Günter Lemke zeigt auf, mit welchen Fragen und Argumenten der Zusatzverkauf „leichter“ wird. Unterstrichen werden sie mit Praxisbeispielen.

Jetzt anmelden