Besonders hoch ist der Sanierungsbedarf bei Schwimmbädern. Foto: Pixabay
23.09.2019 Branche im Blick erstellt von Alexander Kirschbaum

Sanierung von maroden Sportanlagen

Ein drängendes Thema, dem sich auch die diesjährige Nordbau widmete, war die Sanierung von Sportstätten. Der Sanierungsbedarf ist hoch, nun stehen neue Förderprogramme bereit.

Um die kommunale Sportstätteninfrastruktur in Deutschland ist es nicht gut bestellt. Zumindest wenn es nach dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) geht. Dieser schätzt den Sanierungsbedarf von Sportstätten in Deutschland über alle Eigentümergruppen und Anlagentypen hinweg auf rund 31 Milliarden Euro. In der gemeinsamen Erklärung „Bundesweiter Sanierungsbedarf von Sportstätten“ haben der DOSB, der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) und der Deutsche Städtetag im vergangenen Jahr daher Bund und Länder aufgefordert, eine langjährige Sanierungsoffensive zu starten und die Investitionsmittel für kommunale und vereinseigene Sportstätten zu erhöhen. Viele marode Sportanlagen seien jahrzehntealt, vor allem Sporthallen und Bäder vom Investitionsstau betroffen. Laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums gibt es in Deutschland über 231.000 Sportanlagen und zusätzlich fast 370.000 Kilometer Sportstätten in Linienform, etwa Reitwege. Nach Einschätzung des DOSB gehören mindestens zwei Drittel aller Sportstätten den Kommunen und über ein Viertel den Vereinen. Für die öffentliche Förderung der Sportstätten vor Ort sind die Kommunen (mit Zuschüssen der Länder) verantwortlich. Hier sieht der DOSB ein großes Problem: „Die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen sowie die Begrenzung kommunalpolitischer Handlungsfähigkeit durch Haushaltssicherungskonzepte und die bundesweit betrachtet zu geringe öffentliche Investitionsquote in den vergangenen Jahren hat maßgeblich zum Sanierungsbedarf (auch) von Sportstätten beigetragen. Die politisch zunehmend als fragwürdig empfundene Klassifizierung der Förderung von Sportstätten als „freiwillige kommunale Aufgabe“ verstärkt innerhalb der Kommunalpolitik zusätzlich den Druck auf die Sportstätten“, heißt es in der Erklärung.

300 Millionen Euro vom Bund

Um den Investitionsstau aufzulösen und die Kommunen zu unterstützen, haben Bund und Länder eigene Förderprogramme ins Leben gerufen. Auf Landesebene sind die von den einzelnen Ländern erlassenen Gesetze und Richtlinien sowie Förderkonzepte dabei sehr unterschiedlich. Das Land Niedersachen hat beispielsweise in diesem Jahr ein 100-Millionen-Euro-Sanierungsprogramm aufgelegt, um die Sportstätteninfrastruktur zu erhalten. Die Sanierungsmittel beantragen können dabei sowohl Kommunen als auch Sportvereine.

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Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schätzt den Sanierungsbedarf von Sportstätten in Deutschland auf rund 31 Milliarden Euro. Foto: Pixabay

Der Bund fördert die Kommunen im Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Dazu hatte das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat im vergangenen Jahr einen Förderaufruf gestartet. Rund 1.300 Interessenbekundungen haben Städte und Gemeinden daraufhin eingereicht. Im Frühjahr 2019 beschloss der Deutsche Bundestag dann die Förderung von 186 kommunalen Projekten mit einem Gesamtvolumen in Höhe von insgesamt rund 300 Millionen Euro. „Die große Resonanz auf den Förderaufruf zeigt den hohen Investitionsbedarf bei der Sanierung vieler kommunaler Einrichtungen. Mit den Investitionen können nicht nur Sportstätten, Jugend- und Kultureinrichtungen erhalten werden. Sie machen die Kommunen auch zu lebenswerteren Orten und tragen so zum gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort bei“, so Bundesinnenminister Horst Seehofer. Nicht berücksichtigt werden bei diesen Förderlinien des Bundes allerdings die Sportvereine, die als Antragsteller in der Regel ausgeschlossen sind.

Darüber hinaus stellt der Bund Mittel für die Klimaschutzförderung von Sportstätten zur Verfügung. So unterstützt die sogenannte Kommunalrichtlinie des Bundesumweltministeriums Betreiber von Sportanlagen vor Ort bei der Investition in energieeffiziente Maßnahmen.

Schleswig-Holstein investiert

Die im September in Neumünster stattfindende Nordbau richtet ihren Fokus auf die „Sportstätten der Zukunft“, dabei geht es sowohl um die Sanierung der Freiraumflächen als auch der Gebäude von Sportstätten (siehe auch Beitrag Seite 38). Grund genug, für uns einen Blick auf die Sportstättensanierung in Schleswig-Holstein zu werfen. In dem nördlichsten Bundesland fördert das schleswig-holsteinische Innenministerium in diesem Jahr die Sanierung von insgesamt 141 kommunalen Spielfeldern, Laufbahnen, Sporthallen und Schwimmsportstätten. Nach Angaben von Innenstaatssekretärin Kristina Herbst wird die Landesregierung knapp 18 Millionen Euro (2018: 9,5 Millionen Euro) dafür bereitstellen: „Durch diese Fördermittel des Landes werden Gesamtinvestitionen von insgesamt fast 51 Millionen Euro in die kommunale Sportstätteninfrastruktur in Schleswig-Holstein auf den Weg gebracht. Damit kommen wir bei der Sanierung der kommunalen Sportstätteninfrastruktur in diesen Bereichen einen entscheidenden Schritt voran.“

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Von der Förderung profitieren Kommunen in ganz Schleswig-Holstein. Für Spielfelder und Laufbahnen stehen knapp 11,1 Millionen Euro Landesmittel für 88 Projekte zur Verfügung, für 32 Schwimmsportstätten 3,66 Millionen Euro und für 21 Sporthallen 3,2 Millionen Euro. Die maximale Förderung beträgt dabei für einzelne Maßnahmen bei Sporthallen 500.000 Euro, beim Schwimmsport, bei Spielfeldern und Laufbahnen 250.000 Euro. Nahezu alle eingegangenen förderfähigen Anträge aus den Kommunen konnten nach Angaben des Innenministeriums bedient werden. Damit scheint das Land auf einem guten Weg zu sein: Die derzeit aktuellste Erhebung unter den Trägern der öffentlichen Sportanlagen aus dem Jahr 2014 bezifferte den Sanierungsbedarf auf mindestens 50 Millionen Euro. Durch diese Erhebung wurden allerdings ausschließlich Sportanlagen in öffentlicher Trägerschaft berücksichtigt. Der Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV) nahm die Abfrage der Landesregierung daher zum Anlass, im Frühjahr 2016 eine eigene Umfrage unter den rund 2.400 Sportvereinen (und -verbänden) im Bundesland durchzuführen. Dabei wurde ebenfalls ein kurzfristig notwendiger Sanierungsbedarf von circa 50 Millionen Euro ermittelt. „Zusammengenommen gibt es also für Sportanlagen in Schleswig-Holstein einen Sanierungsbedarf von mindestens 100 Millionen Euro“, so Dr. Sven Reitmeier, Bereich Recht/Personal/Umwelt beim LSV, gegenüber dem BaustoffMarkt. Neubau, Umbau, Sanierung von Sportstätten, aber auch den Ankauf bestimmter langlebiger Sportgeräte durch Vereine und Verbände konnte der Landessportbund in diesem Jahr mit 2,1 Millionen Euro fördern. Dabei handelt es sich um Haushaltsmittel der Landesregierung, die an den LSV zugewiesen und von ihm für die vereinseigenen Anlagen vergeben werden. Vor dem Hintergrund, dass rund 63 Prozent der mitgliedereigenen Sportstätten laut der LSV-Umfrage einen Investitionsbedarf aufweisen, herrscht hier also noch Nachholbedarf.