Verbandsdirektor Armando Cafiero, der Präsident Giovanni Savorani und Sprecher Andrea Serri (v. l.) erläuterten die Zahlen des Jahres 2018. Foto: Confindustria Ceramica

Italiens Fliesenindustrie erholt sich langsam

Italiens Fliesenindustrie stagnierte im Jahr 2018 bei leichten Rückgängen auf hohem Niveau. Der Verband Confindustria Ceramica plant eine weitere Imagekampagne für die Fliese noch in diesem Jahr, das im ersten Quartal mit verbesserten Ergebnissen begann.

Trotz massiver Investitionen über mehrere Jahre in neue Technologien und Anlagen haben die Unternehmen der italienischen Fliesenindustrie im vergangenen Jahr ihren Wachstumskurs nicht weiter fortsetzen können. Dies gab der Verband Confindustria Ceramica anlässlich der Pressekonferenz Anfang Juni an seinem Hauptsitz in Sassuolo gegenüber den Fachjournalisten bekannt. Damit ging eine fünf Jahre währende Phase mit zum Teil beeindruckenden Umsatz- und Mengensteigerungen vorerst zu Ende.

Die 137 Unternehmen der italienischen Fliesenindustrie erwirtschafteten im Jahr 2018 einen Umsatz von 5,38 Milliarden Euro, so der Verbandspräsident Giovanni Savorani, der zusammen mit dem Direktor der Confindustria Ceramica, Armando Cafiero, die Zahlen vortrug und erläuterte. Der genannte Erlös lag um 3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Rückgänge betrafen sowohl das Exportgeschäft als auch den Absatz im Inland. Die Ausfuhren gingen um insgesamt 3,3 Prozent auf 4,547 Milliarden Euro zurück, während der Umsatz auf dem italienischen Markt bei einem leichten Rückgang von weniger als einem Prozent auf 834 Millionen Euro stagnierte.

Die Produktion fiel 2018 um 1,6 Prozent auf 415 Millionen Quadratmeter. Hiervon gingen 410,1 Millionen Quadratmeter (-2,8 Prozent) in den Absatz. Die Ausfuhren gaben hierbei in der Menge um 3,1 Prozent nach und beliefen sich auf 327,7 Millionen Quadratmeter. Auch die Bestellungen des italienischen Handels gingen zurück: auf rund 84,4 Millionen Quadratmeter oder 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

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Der Verbandspräsident der italienischen Fliesenindustrie benannte mehrere Ursachen für diese – sicherlich als Enttäuschung zu wertenden – Ergebnisse. Neben der Eintrübung des globalen Handels und den Unstimmigkeiten zwischen den USA und China führte Savorani auch den verschärften Wettbewerb und die Preiskämpfe im Fliesengeschäft an. Hinzu kommen Unterschiede in den Produktionskosten, die unterschiedliche Spielräume bei der Preisgestaltung eröffneten, die spätestens seit dem vergangenen Jahr mit zunehmender Aggressivität auch genutzt würden. Alternative Belagmaterialien wie Vinyl machten der Fliese weiterhin Marktanteile streitig.

Auslandswerke: Mal plus, mal minus

Neun italienische Unternehmensgruppen der Fliesenindustrie betreiben im Ausland – das heißt in Europa und den USA – insgesamt 16 eigene Produktionsstätten, deren Kennzahlen gesondert von zuvor genannten italienischen Werken aufgeführt werden. An diesen 16 Standorten wurden im Jahr 2018 von 3.151 Mitarbeitern 86 (87) Millionen Quadratmeter Keramikfliesen hergestellt. Der Umsatz dieser Unternehmen erreichte einen Wert von 858,9 Millionen Euro (-0,4 Prozent). Hiervon wurden 483,2 Millionen Euro (+2,8 Prozent) an den europäischen Standorten – einschließlich Russland – generiert, und 375,7 Millionen Euro (-4,2 Prozent/2017: +2,9/2016: +15,5) in den Vereinigten Staaten.

Das Investitionsverhalten der italienischen Fliesenindustrie zeigte im vergangenen Jahr eine weiterhin hohe Dynamik. Insgesamt 508,2 Millionen Euro (2017: 514,9) flossen in den Bau von neuen Anlagen und in Technologien. Schwerpunkte bilden hier die Ausrüstungen und Ausstattungen zur Vernetzung und Optimierung aller Abläufe im Sinne einer „Industry 4.0“-Umgebung. Die Investitionen in Fertigungsstraßen für die Produktion von Verkleidungen in Kantenlängen von bis zu 320 Zentimetern schreiten weiter fort. Zwischen 2014 und 2018 investierten Italiens Fliesenhersteller aufgelaufen 2,061 Milliarden Euro in ihre Fabriken. Zu den positiven Entwicklungen gehört sicherlich auch die Zunahme der Beschäftigtenzahl um knapp ein Prozent auf 19.962 im zweiten Jahr in Folge (2017 : +2,9 Prozent).

Die ersten Monaten des laufenden Jahres brachten wieder eine Aufhellung der Mengen- und Wertentwicklung, insbesondere im Export: Nach den Verlusten des Jahres 2018 und einem Nachfragerückgang in den Wochen im Anschluss an die Cersaie, von dem manche Unternehmen berichten, sind dies erfreuliche Nachrichten. Als vorläufiges Fazit kann also gelten, dass das Jahr 2018 schlechter verlief als erwartet, der Jahresanfang 2019 hingegen besser als befürchtet.

Zu den kommenden Vorhaben der Confindustria Ceramica zählt unter anderem eine zweite Video-Staffel, die auf digitalen Netzwerken die Vorteile und Eigenschaften der Keramik anschaulich machen soll. Am 11. Juni wurde außerdem bekannt, dass der Italienische Verband der Ziegelhersteller – Andil – in die Confindustria Ceramica aufgenommen wurde. Damit vertritt letztere jetzt die Interessen von 228 Unternehmen mit über 28.000 Beschäftigten und einem Umsatz von mehr als 7 Milliarden Euro. Die italienische Keramikindustrie blickt also weiter nach vorn.

Und warum auch nicht? Schließlich kann „nach dem Wachstum“ ja auch bald „vor dem Wachstum“ sein.

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