Wieder gut besucht: Der 11. Wohnungsbau-Tag in Berlin mit rund 300 Fachleuten. Der dieses Mal in der Landesvertretung Bayern stattfand. Foto: Redaktion

Die Probleme des Wohnungsbaus

Unter dem Titel „Wer baut Deutschland?“ stellte das Verbändebündnis Wohnungsbau auf dem 11. Wohnungsbau-Tag in Berlin eine Wohnungsbau-Studie von Prognos vor und diskutierte im Anschluss mit Politik und Bauwirtschaft über die Schlussfolgerungen rund um die Studie.

Die Komplexität rund um das Thema Wohnungsbau ist das Problem“, sagte Stefan Thurn als Präsident des Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) in seinem Fazit zum Abschluss des 11. Wohnungsbau-Tages, der im Mai wieder in Berlin stattfand: „Das Verbändebündnis Wohnungsbau ist seit elf Jahren dabei, nicht nur das Thema des bezahlbaren Wohnungsbaus auf die Agenda zu setzen, sondern Erklärungsansätze zu liefern und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Studien liefern dazu exzellente Daten; dieses Mal zum Beispiel dazu, wie man über die Veränderung von Geschossflächenzahlen der Krux von zu wenig Bauland begegnen kann. Die Menschen, die Wohnungen suchen, sind es satt, dass die Verantwortung von einem zum anderen geschoben wird. Der soziale Sprengstoff im Thema bezahlbares Wohnen und sozialer Wohnungsbau erfordert klare Signale von der Politik.“ Hoffnungsvoll stimme ihn aber, dass das Gefühl für die Schwierigkeit und Komplexität rund um das Thema parteiübergreifend angekommen sei und die Bemühungen dementsprechend groß, gemeinsam und im engen Dialog Schritt für Schritt voranzugehen, um die Probleme dahinter zu lösen. Vor diesem Hintergrund wünsche er sich, dass viele Dinge bis zum nächsten Wohnungsbau-Tag, der am 23. April 2020 stattfindet wird, umgesetzt würden, sagte Thurn in Berlin.

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Inhaltlich hatte dazu die aktuelle Studie, die das Prognos-Institut auf dem Wohnungsbau-Tag unter dem Titel „Wer baut Deutschland?“ präsentierte, verdeutlicht, was die Probleme der Wohnungsknappheit in Deutschland sind. Das Fazit der Wissenschaftler im Rahmen ihrer noch Inventur zum Bauen und Wohnen 2019 lautet: Wohnungen in Deutschland seien weiterhin zu wenig, zu teuer und würden zu weit weg von den Ballungszentren und Hotspots gebaut. Das könne nicht die richtige Antwort auf Deutschlands soziale Frage Wohnen sein.

Fläche, Fläche, Fläche

Das Verbändebündnis Wohnungsbau, das den Branchengipfel veranstaltet und vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel als Mitglied des Bündnisses koordiniert wird, forderte deshalb am Donnerstag in Berlin einen „Masterplan für den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau“. Ein wichtiger Punkt dabei sei die Bereitstellung von neuem Bauland. Das Angebot an Grundstücken, die aktuell und in den kommenden Jahren auf den Markt kommen, werde zunehmend rarer. Über kurz oder lang drohe hier nach Ansicht der Wissenschaftler sogar eine „Austrocknung des Marktes“.  Damit verbunden werde die Luft für private Investoren und Projektentwickler, Wohnraum noch bezahlbar und rentabel zu bauen, immer dünner. Das Prognos-Institut weist in seiner Studie nach, dass teurer werdende Baugrundstücke die Mieten erheblich nach oben treiben. Allein durch die Erhöhung der Geschossflächenzahl – also durch das Verdichten, das „Wachsen von Gebäuden nach oben“ – sei es insbesondere in Boomstädten möglich, den Anstieg der Mieten im Neubau zum Teil erheblich zu bremsen. Hinzu käme, dass bundesweit im sozialen Wohnungsbau aktuell lediglich ein Drittel von dem gebaut werde, was tatsächlich an neuen Sozialmietwohnungen – nämlich 80.000 pro Jahr – nötig sei. In dem Thema liege ein ungeheurer sozialer Sprengstoff. Zudem müsse ein neues Wohnungsbaukonzept auch den bezahlbaren Wohnungsbau deutlich stärker in den Fokus rücken, der – ebenso wie der Bau von Sozialmietwohnungen – entscheidend für das soziale Klima im Land sei. „Das Problem des bezahlbaren Wohnens ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so das Verbändebündnis Wohnungsbau. Hinzu käme, dass gerade in den gut 40 Städten, in denen die Lage auf den Wohnungsmärkten am angespanntesten sei, insgesamt zu wenig Wohnungsneubau stattfinde, so Prognos. Er verlagere sich ins Umland, bei Boomstädten in die Speckgürtel. Dies wiederum habe erhebliche Folgen für die Mobilität. Der Pendlerverkehr wachse weiter an. Das Verbändebündnis Wohnungsbau fordert daher auch die Infrastruktur mit entsprechenden Maßnahmen anzupassen. Insgesamt sei von der Politik mehr Verlässlichkeit bei wohnungsbaupolitischen Instrumenten und beim Förderrahmen gefordert und ein strategischer Blick darauf, was für die Wohnungsmärkte mittel- bis langfristig erforderlich sei, hieß es in Berlin.

Der Artikel wurde der Ausgabe 06/2019 von BaustoffMarkt entnommen. 

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