Präsident Giovanni Savorani (Mitte) erläuterte zusammen mit dem Verbandsdirektor Armando Cafiero (l.) und dem Sprecher Andrea Serri (r.) das zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgelaufene Jahr. Foto: Confindustria Ceramica

Fliesenmarkt Italien

Italiens Fliesenindustrie stellte 2018 das Wachstum vorerst ein. Die Mengenrückgänge werden begleitet von einem weiterhin hohen Investitionsniveau von über 400 Millionen Euro, wie auf der Pressekonferenz des Verbands Ende 2018 bekannt gegeben wurde.

So fiel dem im Juni 2018 gewählten Präsidenten des Verbandes Confindustria Ceramica, Giovanni Savorani, die undankbare Aufgabe zu, der Tages- und Fachpresse die enttäuschende Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres zu erläutern. Dies geschah anhand der vorläufigen Daten zu Produktions- und Absatzmengen, die der italienische Verband traditionell vor der Weihnachtspause vorlegt. Konsolidierte Zahlen zu Umsatz und Volumina veröffentlicht die Confindustria Ceramica im darauffolgenden Sommer.

Die vorliegenden Zahlen gehen von einem Rückgang der Gesamtproduktion und des Absatzes im Jahr 2018 aus: Insgesamt seien von den italienischen Werken 410 Millionen Quadratmeter produziert und verkauft worden. Dies entspräche nach einem guten Vorjahr 2017 mit 422 Millionen Quadratmetern (+1,8 Prozent) einem Rückgang von ungefähr 2,7 Prozent. Die Exporte gaben um circa 3 Prozent von 338,2 Millionen Quadratmeter im Jahr 2017 (+1,9) auf 328 Millionen Quadratmeter nach. Auch der Inlandsabsatz rutschte um 3 Prozentpunkte ab.

Damit wird eine fünfjährige Phase sehr dynamischen Wachstums erst einmal unterbrochen: Seit 2013 konnten Italiens Fliesenhersteller den Mengenabsatz und die Umsätze Jahr für Jahr ausweiten. So verbesserte sich der Absatz zwischen dem Jahr 2013 und 2017 von 389 Millionen Quadratmeter um 8,5 Prozent auf 422 Millionen Quadratmeter im Jahr 2017. Die Umsätze stiegen in selben Zeitraum sogar um rund 17,4 Prozent von 4,725 auf 5,546 Milliarden Euro. Die Produktion der italienischen Werke im Ausland (Produktion 2017: 87 Millionen Quadratmeter/Umsatz: 862,1 Millionen Euro) ist hier nicht miteingerechnet. Die Expansion geht dabei vollständig auf das Konto der Ausfuhren, denn der italienische Inlandsmarkt konnte sich von den Einbrüchen nach der Finanzkrise nicht mehr erholen und erreichte im Jahr 2017 einen Wert von 842,4 Millionen Euro, nach seinem Spitzenwert von 1,6 Milliarden im Jahr 2007.

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Preisdruck zwischen europäischen Mitbewerbern verschärft

Als Erklärung für den Geschäftsverlauf des Jahres 2018 benannte Savorani mehrere Ursachen. Zum einen das schlechtere Klima im globalen Handel – ausgelöst auch durch die Handelskonflikte zwischen den USA und China – sowie der harte Preiswettbewerb, der vor allem zu Lasten von Unternehmen mit hohen Durchschnittspreisen wie den italienischen gehe. „Hieran werden die US-Zölle auf eingeführte Chinafliesen in einer Höhe von 5 Prozent nichts ändern“, so Savorani. Auch der Preisdruck zwischen europäischen Mitbewerbern habe sich während des vergangenen Jahres weiter spürbar verschärft. Hinzu kommt, dass die Fliese Marktanteile an alternative Belagmaterialien verliere. Der Präsident nannte hier Vinyl-Produkte beziehungsweise Vinyl Luxury Tiles, die er selbst nur als „Plastik“ bezeichnen wolle. Langsamer als erwartet verlaufe auch die Markteinführung von keramischen Materialien in sehr großen Kantenlängen. Als Gründe wurden hier die nötigen Anpassungen in der Logistik und bei der Verlegung angeführt.

Industrie und Initiativen

Um das Erscheinungsbild der Fliese beim privaten Endverbraucher aufzuwerten, kündigte Giovanni Savorani eine Initiative der Herstellerverbände in Italien, Deutschland und Spanien an. So werde man ab Januar 2019 auf digitalen Media-Plattformen Kampagnen fahren, die die Attraktivität der Keramikfliese, ihre Dauerhaftigkeit und ihre hygienischen Vorteile herausstellen. Savorani attestierte der Keramikfliese ein weiterhin gutes Wachstumspotenzial. So seien in Deutschland lediglich 23 Prozent der Bodenfläche mit Fliese verkleidet, in Frankreich seien es 34 Prozent. In Italien belaufe sich dieser Anteil auf 75 Prozent der Bodenfläche.

Der Präsident äußerte sich gegenüber den Journalisten bezüglich der kommenden Szenarien mit Umsicht, unterstrich jedoch, dass eine Beibehaltung des Mengenniveaus in Sassuolo in der nahen Zukunft eine Priorität sein sollte.

Aufgrund der Geschäftsentwicklung des Jahres 2018 haben die Unternehmen den normalen, weihnachtlichen Produktionstopp zur Wartung der Anlagen im Durchschnitt um zwei weitere Wochen verlängert.