22.01.2019 Branche im Blick erstellt von Aki

Baywa weitet Wertschöpfungkette aus

Der Konzern stockt derzeit seine LKW-Flotte im Bausegment auf. Foto: Baywa

Beim Baustoffbereich der Baywa hat sich einiges getan: Im Fokus stehen Themen wie Building Information Modeling, die Verknüpfung von digitalem und stationärem Handel, gesundes Bauen und Modernisieren sowie Marketingdienstleistungen. BaustoffMarkt hat nachgefragt.

„Wir wollen künftig stärker am Projektgeschäft partizipieren und unsere Wertschöpfung diversifizieren“, nennt Steffen Mechter, Leiter Vertriebsspezialisierung/Strategische Geschäftsentwicklung, ein strategisches Ziel. Ein Vorzeigeprojekt entsteht derzeit in Borna bei Leipzig. Dort realisiert der Konzern als Projektpartner Deutschlands erste Building Information Modeling-Siedlung im Einfamilienhausbau. Vom Vertrieb über die Planung bis hin zur konkreten Umsetzung auf der Baustelle läuft das Bauvorhaben komplett digital ab, wie Mechter erläutert. Voraussetzungen dafür schaffe der Wohnhaus-Konfigurator „Mr+Mrs Homes“. Über ein 3D-Hausmodell könne der Bauherr sein künftiges Haus so bis ins Detail durchspielen, bevor er sich entscheidet, dabei erhalte er immer eine Festpreisangabe. Auf der BAU wird der Baustoffbereich den Konfigurator live präsentieren. „Wir wollen gemeinsam mit regionalen Kunden Projekte verwirklichen und dabei unser Know-how einbringen“, so Mechter.

Mit dem Thema Building Information Modeling beschäftigt sich das Unternehmen bereits seit rund zwei Jahren. „Wegen der Fragmentierung unserer Branche hat Building Information Modeling nicht so schnell gewirkt, wie wir alle befürchtet haben. Dennoch wird diese Methode die industrielle Vorfertigung revolutionieren“, ist sich Mechter sicher. Mit einem auf Modulfertigung spezialisierten Unternehmen entwickelt die Baywa aktuell eine digitale Schnittstelle. „Das Beispiel zeigt, dass der Baustoffhandel beim digitalen Bauen einen Vorteil für die Industrie generieren kann, etwa indem er sie bei digitalen Prozessen und der Materialwirtschaft unterstützt.“

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Steffen Mechert will die Zukunfstthemen im Baustoffhandel vorantreiben. Foto: Redaktion/TS

Click-and-Collect für Profikunden

Die Digitalisierung zählt der Vertriebsspezialist ohnehin zum Kerngeschäft des Baustoffbereichs. Mit der kürzlich abgeschlossenen Verknüpfung des stationären Handels mit ihrem digitalen Baustoffe-Online-Portal biete Baywa nun ein flächendeckendes Multichannel-Angebot für ihr Vertriebsgebiet. Dazu seien die unternehmenseigenen Betriebe als digitale Standorte in die Baywa Online-Plattform eingebunden und können über das Scannen der Warenverfügbarkeit als Abholstandorte selektiert werden. Aktuell sind rund 6 000 Geschäftskunden aus dem Vertriebsgebiet von Baywa im Online-Portal registriert, wie Mechter dem Baustoffmarkt berichtet.

Im Januar wird das Unternehmen diese neue Funktion des Online-Portals ebenso in München vorstellen. „Die BAU wollen wir dieses Mal stärker als Vertriebsplattform nutzen“, sagt Mechter. Dazu passe auch ein spezielles Paket an Online-Marketingdienstleistungen, das auf der Messe gezeigt wird und sich an kleinere mittelständische Bauunternehmer und Handwerksbetriebe aus den Bereichen Hochbau, Dach, Trockenbau, Innenausbau, Bauelemente, Böden sowie Garten- und Landschaftsbau richte. So können sich Gewerbekunden künftig vom Baustoffbereich des Konzerns eine eigene Webseite erstellen lassen. Auf Basis der Angaben zu Gewerk, handwerklichen Leistungen und Anforderungen an den Internetauftritt erhalte der Kunde eine individualisierte Webseite, die regelmäßig mit aktuellen und für das Gewerk relevanten Themen bespielt werde. In Planung seien zudem weitere Marketingdienstleistungen wie individualisierbare Werbeartikel und Baustellenwerbung.

Gesundes Bauen im Blickpunkt

„Wir entwickeln Dienstleistungen, die unsere Kunden besser machen“, erklärt Mechter. Dies gelte auch beim Thema Wohngesundheit, das unserem Gesprächspartner besonders am Herzen liegt. „Gesundes Bauen ist für die Baywa von strategischer Bedeutung. Wir wollen dafür sorgen, dass das Thema in der Baubranche auch in der Breite angenommen wird. Am Ende muss es das Ziel sein, Wohngesundheit auch für Privatkunden bezahlbar zu machen.“ Auch hier nutzt das Unternehmen die Leitmesse der Baubranche im Januar, um der Öffentlichkeit eine Neuheit vorzuführen: das Bau-Gesund-Partnerprogramm. Dieses richtet sich laut Mechter an Gewerbekunden und umfasst neben Schulung und Beratung zum Thema „Gesundes Bauen und Modernisieren“ auch Unterstützung in den Bereichen Marketing und Vertrieb.

Das Dienstleistungspaket schließt an das Bau-Gesund-Siegel (der baustoffmarkt berichtete über das Siegel in der September-Ausgabe) und die dahinter stehende Datenbank mit rund 6 000 geprüft emissionsarmen Produkten an. Die ersten fünf Bau-Gesund-Partnerschaften seien bereits geschlossen. Die Partnerunternehmen erhalten unter anderem ein Zertifikat als Bestätigung der Zusammenarbeit, zudem dürfen sie das offizielle Logo verwenden und werden als Partner auf baywa-baugesund.de platziert, wie Mechter erläutert. Marketingmaterialien wie Broschüren, Bauzaunbanner und Baustellenschilder, Textbausteine, Grafiken und Videos seien ebenfalls in der Partnerschaft enthalten, die mindestens zwei Jahre läuft und verlängert werden kann. Projektbezogen können weitere Dienstleistungen wie Baustofflisten oder Raumluftmessungen inklusive unabhängigem Prüfbericht erworben werden.

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Die Zentrale in München. Foto: Architektur: Hild und K/Foto: Michael, Heinrich

„Mit unserer Kompetenz unterstützen wir das regionale Handwerk in diesem wichtigen Zukunftsmarkt. Handwerksbetriebe können sich dadurch im Vertrieb beim Bauherren unterscheiden und erhalten so ein gewisses Alleinstellungsmerkmal“, sagt der Leiter Vertriebsspezialisierung.

Investitionen in Standorte

In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat der Konzern Umsatz und Gewinn im Baustoffhandel erhöht. Angesprochen auf seine Erwartungen an 2019 gibt sich Mechter optimistisch. „Wir gehen von einer Fortsetzung der Entwicklung im Segment Bau und einem leichten Umsatzwachstum aus. Eine unbekannte Komponente sind allerdings die Preissteigerungen der Industrie, die wir in dieser Form noch nicht hatten.“

Beim Thema Standorte wird sich Mechter zufolge einiges tun. So seien unter anderem in Biberach, Coburg, Lauf, Neuburg an der Donau, Petershausen, Weilheim, Landshut, Dietfurt und Schwabmünchen im nächsten Jahr Ersatzneubauten oder Sanierungen geplant. Zudem sei das Unternehmen dabei, seinen eigenen Fuhrpark wieder aufzustocken. „In dem Bereich Logistik wollen wir wieder mehr eigene Kapazität im Unternehmen aufbauen, um unsere Kernkompetenzen weiter zu stärken.“