19.11.2018 Branche im Blick erstellt von Hartmut Möller

Die neue Maut – alles zulasten des Endkunden

Foto:markusspiske/pixabay

Gastbeitrag - Für kleine und mittlere Unternehmen verändert die neue Bundesstraßen-Maut die Spielregeln, meint Eurobaustoff-Geschäftsführer Hartmut Möller. Er fordert in seinem Gastbeitrag einen effizienteren Datenaustausch über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

Eigentlich sollte die Maut – egal, ob es sich um die Autobahn-Maut handelt, die es schon seit Jahren auf Deutschlands Straßen gibt, oder um die am 1. Juli 2018 neu eingeführte Bundesstraßen-Maut – uns allen ziemlich gleichgültig sein. Denn wer die Zeche bezahlt, steht bereits jetzt fest, derjenige, der am Ende der Vertriebskette steht, der Endkunde. Und doch ist diesmal vieles anders als vor 13 Jahren bei der Einführung der Lkw-Straßenmaut.

Durch die Ausweitung der Maut auf das Bundesstraßennetz trifft es jetzt auch die Lkw vieler KMU, die bis dato durch ein eher lokales oder regionales Vertriebsnetz noch nicht in Kontakt mit der Maut gekommen sind. Sie fühlen sich überfordert, wissen nicht, welche Kosten auf sie zukommen, wie viele Kilometer sie wirklich abrechnen müssen und wie sie dies mit ihren Lieferungen am besten verrechnen können. Ließ es sich früher noch vermeiden, die Autobahn zur Anlieferung zu benutzen, ist dies jetzt auf der Ebene Bundesstraße nicht mehr möglich. Hier muss jeder zahlen.

Die im Regional- und Nahverkehr tätigen Unternehmen versuchen nun, ihre Maut möglichst pro Lieferung abzurechnen – der eine per Tonne, die anderen per Ladung, pro Palette, mit einer Pauschale oder in Prozent zum Warenwert. Dies geschieht aus Unsicherheit, aber auch aus Angst, bei einer Einbeziehung der Maut in die Produktpreise einen Wettbewerbsnachteil zu verursachen. Nur wenige der neuen Mautzahler lösen ihr Problem mit einer einmaligen Preisanhebung.

Das war vor dem 1. Juli 2018 noch anders. Da war bei 90 Prozent der spedierten Güter die Maut inkludiert. Die Preise wurden an den nächsten in der Wertschöpfungskette weitergereicht … bis zum Endkunden. Für ihn wurde alles teurer, die Brötchen, die Bekleidung, das Bauen. Für den Endkunden mutet die neue Maut somit wie eine zusätzliche Steuer an, auch wenn dieser Begriff im Verkehrs- wie auch Finanzministerium tunlichst vermieden wird. Keinen Hehl machen die Befürworter aber daraus, dass Mauteinnahmen von jährlich rund 7,5 Milliarden Euro erzielt werden sollen. Ab 1. Januar nächsten Jahres sogar noch mehr. Der Verkehrsminister kündigt bereits Mauterhöhungen bis 60 Prozent an.

Und der deutsche Handel kämpft mit der teilweise problematischen Mautumlage seiner Lieferanten. Denn in Zeiten der Digitalisierung werden vom Handel gewisse Vorgaben gefordert, die die reibungslose Abwicklung von Bestellung bis Rechnung erlauben. Dies erwartet nun der Handel auch von seinen Partner in der Vorstufe. Die Zusammensetzung eines Verkaufspreises hat sich auch in digitalen Zeiten nicht verändert: Neben den Betriebs- und Herstellungskosten werden die Kosten für Energie, Personal, Marketing, Logistik, Lagerhaltung, und Kapital addiert. Hinzu kommen die Gewinnmarge und die Steuern. Die jetzige Maut ist Teil der Logistikkosten, die auch bisher schon auf individuelle Art (zum Beispiel m³, t, km, Palette) im Preis berücksichtigt wurden. Erhöht sich nun der Logistikanteil, erhöht sich zwangsläufig auch der Verkaufspreis.

Die allseits gewünschte, kostenreduzierende durchgängige Wertschöpfungskette „BAU“ ist nur mit von allen Vertriebspartnern gleich definierten Daten möglich. Andernfalls unterbricht die Informations- und Datenkette und führt Standards wie ORDERS, ORDRSP und INVOIC ad absurdum. Daran kann keinem Mitglied der Wertschöpfungskette gelegen sein. Hier ist sicherlich noch kommunikativer Spielraum.

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Foto: Eurobaustoff

Der Gastbeitrag wurde von Hartmut Möller, Eurobaustoff-Geschäftsführer für den Bereich Einkauf, verfasst.