In einem Supermarkt in Meckenheim wurde das neue Produkt bereits eingesetzt. Foto: Meisterbetrieb Diekmann-Klein, Springe

Fliesen verlegen ohne kleben

Agrob Buchtal hat Mitte des Jahres die Innovation „Dry-Tile“ auf den Markt gebracht. Bei diesem System erfolgt die Fliesenverlegung „trocken“, also ohne Fliesenkleber. Wir haben mit Werner Ziegelmeier über das Produkt gesprochen.

baustoffpraixs: Wie ist die Idee „Fliesen ohne Kleber“ entstanden?

Werner Ziegelmeier: Zeit ist eine wertvolle Ressource – generell im Leben und auch im Bauwesen. Deshalb gab und gibt es immer Bestrebungen, Abläufe effizienter zu gestalten. Nachdem „Dry-Tile“ über mehrere Jahre in der Praxis erprobt, weiterentwickelt und „kultiviert“ wurde, steht nun ein marktreifes System zur Verfügung, das die zahlreichen generellen Vorzüge von Keramikfliesen nun auch mit extrem schneller Verlegung und einfachem Rückbau verbindet.

bp: Wer ist die Zielgruppe?

W.Z.: Von der Nachfrage-Seite her (Innen-)Architekten, Interior-Designer, Investoren, Ladenbetreiber, Hoteliers und ähnliche Zielgruppen, die über Art und Ausführungszeitpunkt von Bodenbelägen entscheiden. Von der handwerklichen Seite einerseits innovative Bodenleger, für die die Herstellung ebenflächiger Untergründe ja bereits tägliches Brot ist und die sich darüber hinaus Kenntnisse zur Fliesenbearbeitung und Verfugung aneignen. Andererseits aufgeschlossene Fliesenleger, wobei hier die Konstellation umgekehrt ist: Die Bearbeitung von Keramik ist bekannt, die Herstellung von Untergründen mit der erforderlichen Genauigkeit kommt neu hinzu.

bp: Was erhoffen Sie sich von den Fliesen ohne Kleber?

W.Z.: Klare Frage, klare Antwort: Die Substitution anderer Bodenbelagsarten beziehungsweise die Eroberung von Anwendungsbereichen, bei denen die Fliese bisher gar nicht auf dem Schirm stand oder – so skurril es klingt – die „Endgültigkeit“ keramischer Bodenbeläge teilweise eher hinderlich war, zum Beispiel im Ladenbau: Dort werden regelmäßig komplette konzeptionelle Umgestaltungen vorgenommen, die nun auch mit keramischen Bodenbelägen unkompliziert realisierbar sind. 

 

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bp: Wie kommt die Entwicklung bisher im Markt an?

W.Z.: Hervorragend, wie zum Beispiel die bärenstarke Resonanz bei der weltgrößten Keramikfliesenmesse Cersaie zeigte, die Ende September in Bologna stattfand. Ein weiterer positiver Beleg ist, dass innerhalb weniger Monate eine mittlere dreistellige Zahl an Fachhandwerkern die Gelegenheit genutzt hat, sich in unseren Werken Witterschlick (bei Bonn) oder Schwarzenfeld (Bayern) zu zertifizierten „Dry-Tile“-Verlegern weiterzubilden, um so marktwirksam von dieser Innovation zu profitieren. Vor allem aber sind die Beteiligten der realisierten Projekte hochzufrieden. Jüngstes Bespiel ist ein Delikatessen- und Frischemarkt mit rund 2 000 Quadratmetern Bodenfläche, bei dem das Material aus logistischen Gründen in zwei Etappen angeliefert wurde. Die Verlegung der ersten Teil-Lieferung konnte schneller als gedacht absolviert werden, sodass die zweite Teil-Lieferung extra vorgezogen werden musste beziehungsweise konnte.  

bp: Wo überall kann die Fliese ohne Kleber eingesetzt werden?

W.Z.: „Dry-Tile“ ist prädestiniert für besondere Situationen und Umstände, beispielsweise wenn staub- und schmutzarm gearbeitet werden soll und/oder einfacher Rückbau ohne Überbleibsel wichtig ist und/oder wenn es schnell gehen muss, um zum Beispiel Verdienstausfall zu vermeiden. Das System bietet sich aber auch an für andere Bereiche, die in relativ kurzen Zyklen aktualisiert oder umgewidmet werden, auf Trittsicherheit angewiesen sind oder Lasten aushalten müssen. Exemplarische Beispiele sind Shops, Boutiquen, Supermärkte, Einkaufszentren, Autohäuser, Gastronomie, Hotellerie, Büro- und Verwaltungsgebäude, Lagerflächen, Flure und vieles mehr.

bp: Entsteht dadurch nicht eine Konkurrenz zur klassischen Verlegung?

W.Z.: Kaum, denn „Dry-Tile“ soll die herkömmliche Fliesenverlegung nicht ersetzen, sondern ergänzen, indem wie schon erwähnt andere Belagsarten substituiert, die Verwendungs-Intervalle von Keramikfliesen gesteigert oder neue Bereiche erschlossen werden, sodass am Ende des Tages ein Plus „on the top“ herauskommt.

Das Interview führte Birte Penshorn

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