Der Baustoffhandel im Spiegel der Zeit


Baustoffe
wurden in den kleinen, regionalen Märkten der vorindustriellen Zeit von den Bauhandwerkern meist direkt beim Produzenten bezogen. Steinbrüche, Ziegel- und Kalkbrennereien bedienten die umliegenden Städte und Gemeinden. Die Sortimente waren überschaubar, die Transportwege in der Regel kurz. Die industrielle Revolution in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte auch Baustoffherstellung und -vertrieb grundlegend. Seit Anfang/ Mitte des 19. Jahrhunderts werden moderne Baustoffe wie Eisen, Glas, Stahl und Beton am Bau eingesetzt.

Ende der 1870er Jahre: erste Zusammenschlüsse von Händlern; ab 1880 erste Ortsvereine in Berlin, Hamburg, Nürnberg sowie an Rhein und Ruhr.

Das älteste nachweisbare Datum ist das Jahr 1883. In diesem Jahr wurde der „Verein der Steinhändler von Berlin und Umgebung“ gegründet. Vorsitzender war Emil Glück von der Firma Oscar Zucker, Berlin. Zu den ältesten Zusammenschlüssen gehört der Verein der Baumaterialienhändler in Köln.

1901 wurde der erste Großverband ins Leben gerufen. Es war der „Verein Rheinisch-Westfälischer Cementhändler“, später „Rheinisch-Westfälischer Baumaterialienhändler“, Köln.

10.–12. September 1903: Gründung des „Verband vereinigter Baumaterialienhändler Deutschlands“ in Dresden mit Verbandssitz Leipzig. Vorsitzender war Richard Herbst, Halberstadt, Geschäftsführer wurde Richard Möckel, Leipzig, zugleich Verleger des offiziellen Verbandsorgans „Der Baumaterialien-Markt“ (*1902). Dieses Datum gilt als offizielles Gründungsdatum der BDB-Vorläufer-Organisation. In der Zeit zwischen 1903 und 1912 formierten sich die 27 weiterhin selbständigen Ortsgruppen, Vereine, Verbände und Sektionen zu einem Spitzenverband und zur ersten deutschen Baustoffhändler-Organisation nach föderalem Prinzip.

Am 22. September 1949 fand in Hamburg die Gründungsveranstaltung zum „Bund Deutscher Baustoffhändler“ statt. Folgende Gründungsmitglieder unterzeichneten die Satzung: – Wirtschaftsvereinigung Baustoffhandel für Hessen, Heinrich Walter – J.N. Köbig, Mainz, Thurn* – Karl Grab, Ludwigshafen, Brune* – Verband der Baustoffgroßhändler in Württemberg- Baden e.V., Rudolf Fidler – Fachvereinigung der Baustoffgroßhändler für Württemberg und Hohenzollern, Wilhelm Schmidt, Reutlingen – Fachzweig Baustoffe des Landesverbandes des Bayerischen Groß- und Außenhandels, München, Traudt – Wirtschaftsverband des Baustoffgroßhandels der britischen Zone, Dr. Fricke

1952 betrugen die Umsätze der in den Landesverbänden organisierten Baustoffhändler 1,7 Mrd. DM. Die Außenstände lagen bei 360 Mio. DM, die Lagerbestände bei 110 Mio. DM.

Anfang der 60er Jahre fand durch die Gründung der Kooperationen besonders für den mittelständischen Baustoffhandel eine entscheidende Weichenstellung statt. Die Gründungsidee stammt ursprünglich aus dem BDB-Unternehmerkurs des damaligen Bildungszentrums des Groß- und Außenhandels (BGA) in Goslar. Die zunächst als reine Einkaufsgemeinschaften agierenden Organisationen entwickelten sich später zu Marketingzentralen und Dienstleistungsorganisationen für ihre Gesellschafter.

1964 wurde die hagebau als erster Einkaufsverbund von 34 Baustoffhändlern gegründet. Mit der im gleichen Jahr gegründeten BAU in München erhielt die Baustoffbranche eine wichtige Messeplattform. Auf dieser heute weltweit führenden Baumesse wurden in den 1980er Jahren von BDB-Geschäftsführer Dr. Bert Röltgen Schilder für die Stände der Hersteller verteilt mit der Aufschrift „Lieferung über den Baustoff Handel“. Beliefert werden durfte aber nicht jeder. Der Baustoffhändler, der von der Baustoffindustrie mit Ware beliefert werden wollte, musste Mitglied im BDB sein.

1969: Gründung der Fachzeitschrift der BaustoffMarkt durch Verleger Gert Wohlfarth. Er wird erster Chefredakteur des Branchenblattes und bleibt es 25 Jahre lang.

1971: Der BaustoffMarkt wird „zugleich“ Verbandsorgan – auf offiziellen Beschluss des Präsidiums vom April 1970 und formlos durch eine „Handschlag-Vereinbarung“ zwischen Verleger Gert Wohlfarth und dem BDB-Vorsitzenden Konsul Hans Hartwig „besiegelt.“ Die Formulierung „zugleich“ bedeutet, dass das neue Magazin zuerst unabhängige Fachzeitschrift sein muss, um gelesen und von den Lesern attraktiv empfunden zu werden.

29. April 1981: Der Gesprächskreis Baustoffindustrie/BDB wird gegründet. Seit 1982 gilt der BaustoffMarkt-Oskar als „Wahrzeichen für die Markt-Partnerschaft“ zwischen Industrie und Handel. BaustoffMarkt-Oskar-„Erfinder“ Gert Wohlfarth wies öfter darauf hin, dass die Verleihung dieser 1. Auszeichnung an Karl Knauf knapp ein Jahr nach Gründung des Gesprächskreises Baustoffindustrie /BDB stattfand. Diese Brancheneinrichtung, die quasi Partnerschaft institutionalisiert hat, wurde damit künftig auch mit einem Preis besonders gewürdigt.

Vor der Wende existierte auf dem Gebiet der damaligen DDR im Wesentlichen nur ein Monopolbetrieb, die VeB Baustoffversorgung. Die wenigen nicht verstaatlichten kleinen Familienbetriebe durften sich um die Versorgung der Bevölkerung kümmern. Bauunternehmen wurden grundsätzlich über die VeB Baustoffversorgung beliefert.

Nach der Wiedervereinigung nahm auch der Baustoffhandel in den Neuen Bundesländern einen boomartigen Aufschwung. eine Vielzahl von Unternehmen und Niederlassungen, meist mit Unterstützung von Industrie- und Handelshäusern aus den alten Bundesländern, entstanden neu und sorgten schon bald für eine flächendeckende Baustoffversorgung.

1999: 50. Jahrestag der Neugründung des BDB

Im Jahr 2000 belief sich der Umsatz bei 1 600 Mitgliedern und 3 000 Betrieben auf rund 45 Mrd. DM. Die Außenstände lagen bei 2,5 Mrd. DM, das Lagervolumen bei 3,2 Mrd. DM.

September 2003: 100-jähriges Verbands-Bestehen

2006 erfolgt mit überwältigender Mehrheit der Gesellschafterversammlung in Dresden, die Umbenennung der i&M Interbaustoff in Eurobaustoff mit Sitz in Bad Nauheim und Karlsruhe. Zuvor (2003) hatten die Kooperationen Interpares/Mobau und Interbaustoff ihre Fusion zur i&M Interbaustoff beschlossen.

2006/07 bereitet die Kommission „Programm und Organisation“ die BDB-Neugründung vor. Mitglieder sind Thomas Faßbender (Leiter), Günter Edelmann und Dr. Joseph Krapf (Konzerne), Peter Gaissmaier (Kooperationen), Lothar Müller, Klaus Klenk, Ralf Kaspar Kemmerling, Alfred Remy und Uwe Hennig.

Ende 2007 führte die erste repräsentative Mitgliederbefragung des BDB und seiner Landesverbände durch das Mannheimer Marktforschungsinstitut teleresearch zu folgendem Ergebnis: Zwei Drittel der Mitglieder stimmen für einen Bundesverband, 41% für den Verbandssitz Berlin.

24. November 2008: Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel wird im Wiesbadener Kurhaus gegründet. Stefan Thurn wird einstimmig zum 1. Präsidenten des neuen BDB gewählt. Er tritt sein Amt offiziell zum Jahresbeginn 2009 als Nachfolger von Max Schierer an, der nach 17 Jahren als BDB-Präsident ebenfalls einstimmig zum Ehrenpräsidenten gewählt wird. Zuvor hatten die vier Landesverbände Nord, West, Ost und Süd ihre Auflösung und die Verschmelzung auf den neuen Bundesverband beschlossen.

Im November 2010 veranstaltete der BDB die erste Mitgliederversammlung des neuen Bundesverbandes am Verbandssitz in Berlin.

Im Oktober 2018 ruft Stefan Thurn, BDB-Präsident und Vorsitzender des Gesprächskreis Baustoffindustrie/BDB, auf der Mitgliederversammlung des Gesprächskreis Baustoffindustrie/BDB in Berlin die neue Arbeitsgruppe Fliese ins Leben, die 2019 ihre Arbeit aufnehmen soll.

Der Januar 2019 markiert für den BaustoffMarkt den Start in das Jubiläumsjahr.

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